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Tante TeX textet

[Story-Samstag] Lauschangriff

Hallo meine Lieben!

Habt ihrs verfolgt? Was für ein tierisches Osterfest! 

 

Vom Beitrag auf Mein Name sei MAMA inspiriert, heißt das heutige Thema ‚Lauschen‘. Zu Geschichten kann man sich ganz unterschiedlich inspirieren lassen, wie man sieht. Manchmal reicht schon ein Bild, um die eigene Fantasie zu beflügeln, anderer Leute Geschichten oder kleine Alltagsbeobachtungen. Meine Aufgabe für die nächsten zwei Wochen heißt diesmal: zuhören. Setzt euch einfach an einen öffentlichen Platz, in eine Straßenbahn, ein Café, oder lauscht beim Einkaufen den Gesprächen um euch herum. Natürlich müsst ihr euch nicht direkt daneben stellen – außer natürlich ihr möchtet neue Freundschaften schließen, dann nur zu. Oftmals wird man aber auch ganz ungewollt zum Lauscher. Versucht doch dann einfach einmal, um diese ‚Wortfetzen‘ herum, eine Geschichte zu konstruieren.

Wer ungern lauscht oder einfach nicht die Gelegenheit dazu bekommt, dem sei hier mein Lauscherrepertoir der letzten Tage präsentiert, aus dem ihr euch gern etwas heraussuchen könnt:

  • „Sind sie hier Student?“ – „Ähhh… ich denke schon?“
  • „Nimm doch Öl, wenns quietscht.“-„Öl? Wie Motoröl?“ „Ne, Kokosnuss, Mann!“ – „Aber ich hab nur kaltgepresstes Olivenöl zuhause.“
  • „Lass uns einfach zocken, Pizza bestellen und glücklich sein.“
  • „Nur weil wir beide heiß sind, heißt das nicht, dass wir auch cool sind.“
  • „Ich wünschte, ich hätte Flügel.“
  • „Beeindruckend, diese Pflanzen: Wird da mal was abgeschnitten, funktioniert der Rest immer noch. Stell dir mal vor, uns würde man regelmäßig kürzen. Beil her und ab der Kopf.“ „Sehr darwinistisch. Gefällt mir. Fangen wir gleich mit meinem Ex an.“

und mein persönlicher Unfreiwillig-einen-Anruf-Belauscht-Favorit, gehört in der morgendlich/nächtlichen alkoholträchtigen Stunde zwischen drei und vier Uhr, der mich zur folgenden Geschichte inspirierte:

  • „Ein Nashorn? In deinem Wohnzimmer? Ein echtes, lebendes Nashorn? …Alter.“

Der sechzehn jährige Kevin hatte einen dieser Tage, die schon verquer anfingen: Den Wecker hatte er überhört und er musste deswegen gehetzt zur ersten Schulstunde sprinten. In der dritten Stunde, war ja klar, unangekündigter Test in Geografie. Flüsse, Gebirge und Länder in Nordeuropa. Schöne Scheiße. Kevin beantwortete die meisten Felder eher kreativ, war sich jedoch sicher, zumindest den Punkt für die Hauptstadt Deutschlands ergattert zu haben. Ob die Elbe in Nord- oder Ostsee floss, war ihm relativ egal und auch nur geraten, aber die Chancen standen 50:50, auch hier noch ein wenig punkten zu können. Und als er dann endlich den Ort seiner täglichen Niederlagen verlassen konnte, drückten ihm seine Eltern auch noch seine kleine Schwester aufs Auge. Eigentlich hatte er entspannt auf seiner XBox daddeln wollen. Stattdessen hatte ihn die 10jährige Vanessa so lange belöffelt, bis sie den eigentlich doch ganz sonnigen Nachmittag im Zoo verbrachten.

Sein Smartphone klingelte, als er mit Vanessa gerade vor dem Affengehege stand. „Jo, Digger, was geht?“ grüßte er seinen Freund Atze. „Alter, wasn los? Dachte wir wollten Far Cry zocken.“ „Dacht ich auch, aber jetzt bin ich im Zoo und muss meine Sis davon abhalten, kein Erdmännchen mitzunehmen.“ „Haha. Na besser Erdmännchen, statt Knut.“ Kevin beobachtete hypnotisiert, wie ein Affe einen anderen entlauste, während er an den versemmelten Topografie-Test dachte. „Wie lange bist du denn noch im Zoo? Wir brauchen dich im Multiplayer.“ Kevin überlegte kurz. „Meistens hat Vanessa die Schnauze voll, wenns zu den Reptilien geht, weil die nicht süß und kuschelig sind. Ich denke in einer Stunde bin ich online.“

Doch natürlich hatte Vanessa diesmal andere Pläne: die Reptilien waren wie immer uninteressant, wurden diesmal aber einfach ignoriert, statt zumindest mit den üblichen ‚Iiiihhh‘ und ‚Gruselig!‘-Beiträgen kommentiert zu werden. Zum ersten mal bemerkte sie dafür die daraf folgenden Ameisenbären, die bei ihr nur auf mäßiges Interesse stießen. Nicht so, das Nashorn.

„KEVIN! Schau mal! Ein EINHORN!“ Kevin sah ungläubig von dem Nashorn zu seiner kleinen Schwester, die er bisher eigentlich recht selbstkritisch für das intelligentere Geschwisterkind gehalten hatte. „Nessi, das ist ein NAS- und kein EINhorn.“ „Aber es hat doch nur ein Horn“, argumentierte die zehnjährige. „Einhörner sind nicht so fett“, versuchte es Kevin wieder. „Du wärst auch fett, wenn du den ganzen Tag in deinem Zimmer schlafen und essen würdest. Das Einhorn macht einfach zu wenig Sport hier.“ Bei dieser offensichtlichen und folgerichtigen Argumentation konnte Kevin nur schwer Kontra geben.

Egon, das Nashorn hatte dieses Kompliment vernommen. Er wusste schon immer, dass eigentlich etwas sehr viel grazileres in ihm schlummerte. Er würde es diesem blöden, eidlen Pfau mit seinen Beleidigungen zeigen!

Egon, sonst recht zahm und eher träge, entschloss sich deshalb dazu, dem lieben Mädchen zu folgen, dass so viel mehr in ihm sah, als nur ein langweiliges, unattraktives Trampeltier. In dieser Einöde überheblicher Tiere und undankbarer Pfleger zu leben, schien ihm mit einem mal sinnentleert. Er wusste schon lang, an welcher Stelle seines Geheges die Mauer nicht mehr ganz stabil war, rammte mit seinem massigen Hinterteil einmal dagegen und schon war er frei und watschelte in gemächlichem Gang dem Mädchen mit den großen Träumen hinterher, dass als einzige sein wahres Potential sah.

Als Kevin sich das erste mal auf dem Heimweg umdrehte, um zu sehen, warum alle mit dem Finger auf eine Stelle hinter ihm zeigten, dachte er, dass er sich das Nashorn nur einbildete. Als jedoch keine 100 Meter von Zuhause entfernt, Vanessa ausrief, „Schau, das Einhorn macht doch Sport!“, konnte er die Tatsache leider nicht mehr verdrängen, dass ihnen offensichtlich ein zweitausend Kilo schweres Nashorn nach Hause folgte. Vanessa sprang schnell voraus, öffnete weit das Gartentor, dann die Tür zur Veranda und ließ das Nashorn ins Wohnzimmer ein.

Kevin tat, was er immer tat, wenn er mit einer Situation überfordert war. Er rief seinen besten Freund an. „Atz? Ich glaub, da steht ein Nashorn in meinem Wohnzimmer.“ „Ein Nashorn?“ „Jo.“ „In deinem Wohnzimmer?“ „Jep.“ „Ein echtes, lebendes Nashorn? …Alter.“


So oder so ähnlich könnte das vermutlich abgelaufen sein. Vielleicht auch ganz anders. Eventuell waren vielleicht auch Drogen oder Alkohol im Spiel. Aber wer weiß das schon so genau.

Ich freue mich schon darauf, zu erfahren, welche Gespräche ihr so aufschnappt, und was ihr in diese Worte hinein interpretiert. Auf zum Lauschangriff! 😉


Was ist der Story-Samstag? storysamstagDer Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Ich gebe alle 2 Wochen ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. 

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Zum Glück hab ich den Wintermantel noch in Reichweite. Hattet ihr heute auch ein plötzliches Schneegestöber? 

[Review] Kommando Abstellgleis

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Einen fröhlichen Samstag euch allen!

Habt ihr die letzten Tage auch die Blogger alle wild zählen hören, als säße ihnen Graf Zahl im Nacken? Zumindest bei folgenden Drabble-Teilnhmern ist dieser ausgeprägte Zählwahn durchaus berechtigt: Weiterlesen „[Story-Samstag] Das Oster-Tier“

[Bullet Journal] Durchs 1. Quartal geblättert

[Montagsfrage] KW 14

Bevor ich traditionell die Montagsfrage beantworte, möchte ich mich kurz entschuldigen. Ich habe mich in der letzten Woche etwas rar gemacht. Das mag zum einen an den vielen Terminen liegen, die ich wahrnehmen musste. Zum Anderen schiebe ich die Schuld dem geradezu sommerlichen Wetter zu. Ich gelobe Besserung. Starten wir deswegen also gleich mit der Beantwortung der Montagsfrage vom Buchfresserchen.

Habt ihr besondere Vorlieben bei den Themen in euren Büchern (Prinzen, Reisen, Märchen etc.) oder achtet ihr da gar nicht drauf?

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… Ja schau einer an.

Internet geht ja doch noch!

Ich entschuldige mich für die Falschmeldung, die anscheinend bei folgenden Menschen kleine und größere existentielle Krisen ausgelöst hat:

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[Buch-Date] Leicht angestaubt

Das Buch-Date, moderiert und ins Leben gerufen vom Herrn Zeilenende und der unaussprechbaren Wortgeflu-weißtschonwer, geht in die nächste Runde! Weiterlesen „[Buch-Date] Leicht angestaubt“

[Review] AchtNacht


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[Media Monday] 298

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[Story-Samstag] Dein letztes Stündlein

Moinsen, ihr Schreiber und Leser!

Schon wach?

Schaut euch doch mal diese schicken Handschriften und Gedanken zum letzten Thema an, während ich fix neuen Kaffee ansetze:

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[Montagsfrage] Kw10

Wie kommst du mit Unterbrechungen beim Lesen klar, findest du leicht wieder in die Handlung zurück?

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[Fitness] Der Gang nach Mordor

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[Review] Harold

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(Quelle: Volksstimme)

[Media Monday] 296

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[Story-Samstag] Handschrift

Ich wünsche einen wundervollen Samstag Morgen, meine lieben Zeitreisenden!

Ich hoffe ihr seid alle wieder da? Ihr seid ja wirklich im wahrsten Sinne des Wortes überall in der Weltgeschichte rumgereist:

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[Review] Gangsterland

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[Montagsfrage] Kw08

Gibt es ein Zitat aus einem Buch, dass dir in letzter Zeit (oder überhaupt) im Gedächtnis geblieben ist?

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[Review] Helix – Sie werden uns ersetzen

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[Online-Fund] Dark Lord Funk

[Montagsfrage] Kw07

Welche Neuerscheinung auf die du dich freust, erscheint als nächstes?

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[Story-Samstag] Zeitreise

Ein wunderprächtiges Hallo!

Heute schon in den Spiegel geschaut? Diese kreativen Herrschaften schon:

Schon interessant, was Spiegel alles so zu sehen und zu tun vermögen, oder. Aber genug der Selbstreflexion. Ich war nämlich auf einem Flohmarkt und habe da so eine komische Gerätschaft gefunden. Aber lest selbst…

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