• Autor: Joanna Cannon
  • Titel: Der Sommer der schwarzen Schafe
  • Originaltitel: The Trouble with Goats and Sheep
  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Limes Verlag (9. Mai 2017)
  • ISBN-10: 3809026697
  • ISBN-13: 978-3809026693
  • Genre: Belletristik / Gegenwartsliteratur

Beschreibung (lt. Randomhouse):

Der heißeste Sommer aller Zeiten. Und eine englische Kleinstadt dreht durch …

Eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Vorstadt irgendwo in England. Als während eines ungewöhnlich heißen Sommers Mrs. Creasy verschwindet, wird hinter verschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen getuschelt. Ist sie aus freien Stücken gegangen? Oder wurde Mrs. Creasy Opfer eines Verbrechens? Die beiden Mädchen Grace und Tilly beschließen, die Sache aufzuklären. Sie klopfen an Türen, stellen Fragen – und kommen dabei einem ganz anderen Geheimnis auf die Spur. Jeder hier scheint etwas verbergen zu wollen. Und als die Hitze immer drückender wird, drängt eine lange vergrabene Wahrheit ans Licht, die für alle Bewohner Konsequenzen haben wird …


Beginnen wir wieder, wie auch schon letzte Woche, mit der Schaf-Pro-Kapitel-Ratio, die ich aufgrund des Titels und Covers zumindest bei 3 vermutete. Meine nicht ganz rationale Liebe zu Dingen, die schafig sind, wurde hier leider herbe enttäuscht. Es gab leider kein einziges putziges Schäfchen! Bin ich also wieder mal einem Cover auf den Leim gegangen. Dies soll kein ausschlagendes Kriterium bei der Bewertung des Buches sein. Aber dennoch… 😦

Stattdessen findet sich der Leser in einer typischen Kleinstadt-Atmosphäre wieder, dessen Bewohner jeder für sich ein kleines Geheimnis in sich birgt. Geheimnisse zu bewahren ist in dieser Umgebung jedoch eine kleine Kunst, da jeder alles über jeden zu wissen scheint. Die beiden Mädchen Tilly und Grace langweilen sich in ihren Sommerferien, beschließen sich auf die Suche nach Gott zu machen, und lösen dabei Ereignisse aus, welche die Fassade der heilen Welt zum Bröckeln und die dunkle Vergangenheit der Bewohner ans Licht bringen.

Ich habe wirklich versucht, dieses Buch zu mögen, da es eigentlich alles enthält, was mich normalerweise an einer Geschichte fesselt: eine leicht aufmüpfige kleine Protagonistin, ein Mysterium das es aufzuklären gilt und eine unfreiwillige Komik in Form von Jesus‘ Abbild auf einem Abflussrohr. Leider habe ich mich den Großteil aber nur durch das Buch gequält. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen ein Überfluss an Charakteren, bei denen man nur schwer die Übersicht behält. Die Figuren waren zudem nur oberflächlich ausgearbeitet; sogar die Mädchen wahrten eine Distanz, die ich als Leser einfach nicht überbrücken konnte. So verhielt es sich mit der gesamten Geschichte: ich war ein unbeteiligter Außenseiter, der einen Blick auf das Drama einer Gruppe werfen konnte. Und als dann die recht unspektakuläre Auflösung kam, habe ich mich irgendwie darüber geärgert, dass Buch nicht schon nach den ersten Kapiteln abgebrochen zu haben. Dabei war die Idee hinter dem Buch echt gut! Es präsentierte eine moderne Hexenjagd, in der ein Schuldiger gesucht und an den Pranger gestellt wird. Es haperte jedoch an der Umsetzung: es wurde nicht tief genug gegraben. Obwohl die Figuren vorhanden waren, wurden sie für einen emotionalen Spannungsaufbau nicht richtig genutzt. Statt ein kompliziertes Netz an Schuldigen, Schuldzuweisungen und ungünstigen Ereignissen zu verknüpfen, war die Story nur eindimensional und damit fade und träge.

Irgendwie mangelte es an einem roten Faden und das Buch wusste nicht so recht, was es sein sollte. Ein Krimi war es nicht, denn Grace und Tilly gingen allein auf die Suche nach Gott, während ich als Leser lieber anderen Geheimnissen hinterher jagen wollte. Ich würde es auch nicht als religiösen Roman beschreiben und obwohl man philosophische Züge und kleine Weisheiten findet, ist es auch kein ‚Selbstfindungsroman‘. Bei mir entstand der Eindruck, dass sich die Autorin wohl ein bisschen verzettelt hat. Auf der Hälfte wusste ich leider nicht mehr, in welche Richtung das Ganze denn nun gehen soll, da man sich mehreren Handlungssträngen gegenüber sah.

Der Sommer der schwarzen Schafe hätte etwas großartiges werden können. Leider blieb dieses Potential aber ungenutzt.

bewertung1459817230_coffee_641459817230_coffee_641459817230_coffee_6421459817230_coffee_6421459817230_coffee_642

Advertisements