• Autor: Paola Mastrocola
  • Titel: Filippo und die Weisheit der Schafe
  • Originaltitel: Non so niente di te
  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: carl’s books (1. September 2014)
  • ISBN-10: 3570585409
  • ISBN-13: 978-3570585405
  • Genre: Belletristik / Gegenwartsliteratur
  • Über das Buch (lt. Randomhouse):

Filippo ist ein Bilderbuch-Sohn: begabt, wissbegierig, liebenswert. Das BWL-Studium hat ihn bis zur Promotion nach Stanford gebracht. Seinen stolzen Eltern berichtet er oft per Skype von seinen Erfolgen.
Nur schade, dass das alles gar nicht stimmt. In Wahrheit hat Filippo nach einigen Semestern genug vom Leistungsdruck und den ehrgeizigen Karriereplänen seiner Mitstudenten. Er bricht das Studium ab und sucht sich heimlich ein neues Leben mit viel Zeit zum Nachdenken und Lesen. Er wird Schäfer.
Als Filippos Eltern vom Doppelleben ihres Sohnes erfahren, sind sie entsetzt. Sie brechen sofort auf, um ihn zur Rede zu stellen. Doch erst nach einer abenteuerlichen Reise durch mehrere Länder erfahren sie, warum ihr Sohn jemand ganz anderer geworden ist, als sie immer dachten. Und warum Filippo mit seiner gesamten Schafherde eine hochkarätige internationale Wirtschaftskonferenz im College von Oxford gestürmt hat …


Durch wie viele Filter sehen wir die anderen? Und sind wir in der Lage, einen geliebten Menschen zu sehen, wie er ist, ohne ihn so auszustaffieren, wie wir ihn gerne hätten? (S.221)

Von diesem Buch wurde ich eigentlich durch das bezaubernde Cover angelockt. Jedes mal wenn ich Schafe sehe, scheint bei mir die Impulskontrolle außer Kraft gesetzt zu werden, seien es Schlafanzüge, Kuscheltiere, Tassen oder wie in diesem Fall eben Bücher. Ohne diesen Tick wäre ich wohl nie auf Leonie Swanns Schafskrimis oder auf diesen schönen Roman von Paola Mastrocola gestoßen. Als kleine Kritik möchte ich zu Beginn gleich äußern, dass mir leider viel zu wenig Schafe im Buch vorgekommen sind.

Diese etwas schrullige Bemerkung vorweg genommen, war die Geschichte dafür mit tiefgründigen Gedanken und lebensphilosophischen Fragen angefüllt. Dabei glänzten jedoch nicht nur die Überlegungen über Erwartungshaltungen und gesellschaftlichem Leistungsdruck, sondern auch die beschreibende Wortschönheit, mit welcher dieser Roman verfasst wurde. Die Übersetzerin hat hier eine Meisterleistung vollbracht, die mich wundern lässt, wie schön manche Formulierungen wohl erst im italienischen klingen müssen.

Prinzipiell passiert im Buch nicht unbedingt viel: nach einem spaßigen Prolog zieht sich das Buch erst einmal ein bisschen, bis es endlich an die Auflösung bezüglich des vermissten Filippo geht. Ich hatte erwartet, das Buch aus Filippos Blickwinkel verfolgen zu können. Stattdessen wird die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven von Filippos Freunden und Familienmitgliedern erzählt. Die Art, wie die Geschichten und Charaktervorstellungen nahtlos in einander übergingen, erinnerte mich ein wenig an Irving oder Jonas Jonasson, die ebenfalls die Gabe beherrschen, viele kleine Geschichten zu einem Ganzen zu verflechten. Auch wenn die Handlung etwas mau ausfällt, war ich spätestens auf der Hälfte von der Botschaft hinter der Geschichte verzaubert.

Die Charaktere waren mir durchweg sympathisch: sowohl die eigensinnige Tante, als auch die konservativen Eltern wollen nur das Beste für ihren Filippo und handeln trotz ihrer guten Gesinnung oftmals nicht im Sinne von Filippos eigentlichen Wünschen und Zukunftsplänen. Aber mal ehrlich: wer erwartet schon, dass ein zielstrebiger intelligenter junger Mann mit BWL-Abschluss plötzlich Schafhirte wird? Da hätte sich der Papa ja nicht um einen zukünftigen Arbeitsplatz für den Sohnemann kümmern müssen. Die Figur des Filippo (inklusive Schafe) war überraschend abwesend und nach der vielversprechenden Einleitung ging mit ihm und seiner Schafherde leider auch der erhoffte Humor flöten. Die vielen Rückblenden und Selbstanalysen der Figuren wurden deswegen mit der Zeit recht zäh.

Fazit: Hinter Filippo und die Weisheit der Schafe versteckt sich ein intelligentes Buch voller philosophischer Gedanken über das Leben und Kritik an unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Leider mangelt es aufgrund der unzähligen Reflexionen jedoch an Handlung.

Da ich für die hervorragende Sprache gern noch einen Pluspunkt vergeben würde, gibts heute von mir zwei Kaffee und einen Espresso von möglichen 5 Käffchen.

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