• Autor: Max Frisch
  • Titel: Homo Faber
  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 84 (1. März 1977)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518368540
  • ISBN-13: 978-3518368541
  • Genre: Belletristik / Gegenwartsliteratur
  • Klappentext: Max Frischs Homo faber ist eines der wichtigsten und meistgelesenen Bücher des 20. Jahrhunderts: Der Ingenieur Walter Faber glaubt an sein rationales Weltbild, das aber durch eine ›Liebesgeschichte‹ nachhaltig zerbricht.

Vorwort zum Buchdate

Nachdem mir Nela drei wundervolle Bücher empfohlen hat, musste ich erst einmal hin und her überlegen, welches Buch das Rennen um mein literarisches Herz machen würde. Der Irving hat mich ja schon mächtig gelockt, habe ich mich in den letzten Jahren doch in seine Bären, leichten Mädchen und ungewöhnlichen Charaktere verschossen. Nur ist Bis ich dich finde mit seinen 1152 Seiten nicht gerade ein ‚Speed-Date‘, sondern eher eine längere Affaire und somit bei meiner momentanen Leseflaute ungünstig. Da kam mir der Homo Faber ganz gelegen, ist es doch ein Buch, dass ich trotz Deutsch-Leistungskurs auf dem Gymnasium nicht in der Pflichtlektüre dabei hatte. Danke also dafür, dass mir ein Grund geliefert wurde, auch diese Wissenslücke zu schließen. So habe ich kurzentschlossen beide Bücher erworben, erst den Homo Faber durchgelesen und verzehre nun noch genüsslich in Bücherwurmmanier den dicken Irving. Gern kommt auch dazu eine Rezension. Beim hiesigen Abschluss des vierten Buchdates dreht sich jedoch erst einmal alles um den Klassiker von Max Frisch. Was ich dazu zu sagen habe? Lest selbst…


Review: 

Gestatten: Walter Faber, 50, Ingenieur, Pragmatist, Zyniker und unser rationaler Protagonist. Von New York aus über Housten und Mexico-City nach Caracas, von dort wieder nach New York und weiter nach Europa beschreibt er seinen Reisebericht und alles, was ihm auf seinem langem Weg passiert.

Am Anfang hielt ich das Buch mit seinen Schneestürmen, dem Flugzeugabsturz und dem Überleben in der mexikanischen Wüste für einen Abenteuerroman. Das ändert sich jedoch schnell als sich in der zweiten Hälfte hauptsächlich alles um zwischenmenschliche Beziehungen handelte und eher einer Tragödie ähnelte. Wie der Protagonist selbst, schien das Buch nicht so richtig zu wissen, was es will. Es lebte von seinen Widersprüchen und Konflikten. Von Einsamkeit vs. Gesellschaft, Mann vs. Frau, Technik vs. Natur, Emotion vs. Rationalität. In dem gesamten Buch liegt eine gewisse Ironie. Es gibt für alles eine Ursache, es gibt Zufälle, aber keine schicksalhaften Fügungen, meint Faber anfänglich und wird dann mit einer Auflösung überrollt, die nur Schicksal sein kann.

Die Sprache und der Ich-Erzähler ist einem Bericht entsprechend. Sätze wie ‚Sie zog eine Jacke an, weil kalt‘ ließen bei mir zwar die Grammatik-Alarmleuchten schrillen und wurmten mich insgeheim ein wenig, passen aber zum berichtenden Stil. Eigentlich waren es Fabers klinische Ansichten, die dieses Werk zu mehr machten, als nur einen simplen (Reise-)Bericht. Ist für den einen zum Beispiel der Tod das nächste große Abenteuer oder eine romantische Befreiung der Seele, so definiert Faber das Sterben lediglich als Herzversagen. Erst zum Schluss scheint Walter von dieser Gefühlskälte ab zukommen und seine Identität zwischen Technik und Romantik zu finden.

Während des Lesens fragte ich mich, warum dieses Buch als „eines der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts“ betitelt wird. Für 1950 war das Buch vermutlich beeindruckend, schließlich handelt es vom modernen Menschen, der sich erheblich vom damaligen romantischen Künstler-Menschen unterscheidet. Man bekommt eine aufgeklärte und leidenschaftslose Sicht auf die Dinge und nimmt in dieser Umgebung nur noch wenige Wunder des Alltags wahr. Was macht das Leben des modernen Menschen überhaupt noch lebenswert, wenn man selber nichts weiter ist, als ein kleines Rädchen in einer größeren Maschinerie? Zerstört die technische Entwicklung unsere Menschlichkeit? Durch die klinische und sachliche Sprache kommt Faber nicht gerade sympathisch herüber, spricht jedoch einige Wahrheiten aus. Mit diesem tiefgründigen Appell kann die Geschichte selbst jedoch nicht mithalten.

Es hat keine Handlung, die einen fesselt. Die Beziehungen zwischen Faber und den anderen Figuren wird von den zunehmenden Zeitsprüngen gestört. Es gibt zu viele Wiederholungen, zu viel sinnloses ‚Blabla‘, dass die Handlung nicht voran bringt. Die gesamte Beziehungskrise zwischen ihm und seinen drei Damen war zunehmend frustrierend zu lesen. Wenn man dann noch verfolgt, wie Faber mit all diesen vielen Zufällen an den Punkt kommt, der die ganze Geschichte so schockierend und moralisch verwerflich macht, scheint das Ende nur noch an den Haaren herbei gezogen und zurechtgerückt.

Warum nur ist dieses Buch so populär? Diese 200 Seiten waren seltsam; lesenswert aber konfus. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Buch nun mag oder nicht. Auf jeden Fall ließ es mich in einer seltsamen Stimmung zurück. Vermutlich muss man diesen Bericht ein weiteres mal lesen, um alle Aspekte erfassen zu können. Mir erschließt sich nun aber,warum dieses Buch sich für den Deutschunterricht eignet: Interpretationsmöglichkeiten noch und nöcher.

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