Aloha und schönen guten Morgen, liebe Paradiesvögel im Urwald des Datenstroms!

Da reicht man euch einen Keimling, nicht größer als ein winziges Samenkorn in Form eines ersten Satzes und Ihr macht einen wundervoll kunterbunten Blumengarten daraus:

Dankeschön für die Erstlingswerke und auch an die Wiederholungstäter, dass der Story-Samstag durch euch zum Leben erweckt wird! 🙂

Apropos Wecken…


Eben noch war sie eine fünfzehnjährige Prinzessin, die nichts anderes wollte als herausfinden, warum ihre königlichen Eltern sie nicht an ein harmloses Spinnrad ließen. Und plötzlich sieht sie sich einem Ehemann gegenüber. Einen Typen, den sie nicht mal kannte. Schlimmer noch: dieser Kerl – der zumindest ein Prinz war – hatte sie ungefragt geküsst! Wer weiß wohl, wie weit dieser Lüstling noch gegangen wäre, wenn Sie nicht gleich erwacht wäre.

Jetzt war sie wohl verheiratet. Zugegebenermaßen, der Prinz war ganz ansehnlich, reich, mutig und halbwegs intelligent. Jedoch hätte sie schon ganz gern ein Wörtchen mitgeredet, mit wem sie nun den Rest ihres Lebens verbringen musste. Bevor sie eingeschlafen war, hatte sie ja eine Schwäche für diesen blonden Prince Charming aus dem Nachbarland gehabt. Doch wie sie gehört hatte, hatte der sich für das einzige Mädchen aus einer ansonsten reinen Männer-WG entschieden.

Von ihrem privaten Problem mal abgesehen, stand das ganze Land vor riesigen wirtschaftlichen und politischen Problemen. Einfach mal 100 Jahre aus dem Weltgeschehen auszusteigen konnte man sich einfach nicht leisten. Während die Nachbarländer sich langsam die Grenzgebiete angeeignet hatten – wer hätte das Land schon verteidigen sollen? Selbst das garstige Schnarchen der Wachen hätte niemanden lang aufgehalten – wurden unzählige Handelsabkommen gegründet, neue Bergbau- und Fischgründe erschlossen sowie praktische Erfindungen gemacht. Abwassersysteme, Astrologie, neues Handwerk, Buchdruck, die Erfindung der Brille …

Es waren andere Zeiten. Nicht nur die großen Dinge des Weltgeschehens hatten sich gewandelt, sondern auch Alltägliches war plötzlich fremd. Die Mode zum Beispiel. Ihr neuer Gemahl betonte zu ihrem Hochzeitsfest mehrmals, dass ihre Kleidung zwar prächtig sei, jedoch eher etwas wäre, was seine Großmutter trug. Stehkragen wären schon lang nicht mehr modern. Stattdessen beschenkte er sie reich mit Corsagen und Korsettes aus feinstem Brokat, die ihr jedoch nur die Luft zum Atmen nahmen. Auch die Lieder und Fanfaren waren ‚altbacken‘. Er sprach nostalgisch von ‚fast vergessenen Melodien‘, präsentierte auf einem Spinett komponierte Walzer und versprach, sie in die neuen Tänze einzuweisen. Auch seine Sprache war anders, sein Verhalten unverblümt. Fand sie ihn in einem Tun ungehobelt, war er in einem anderen dagegen lächerlich snobistisch. Statt die Hähnchenkeule mit Fingern zu essen bestand er auf neumodisches Besteck. Simple Kräuterkunde dagegen schien für ihn Hexenwerk zu sein.

Die Zeit machte leider vor niemandem Halt. Und Dornrösschen fühlte sich deswegen für den Rest ihrer Tage ein Stück der Welt entrückt.


Ihr mögt es nach diesem Beitrag von mir schon erraten haben. Meine neue Kreativaufgabe an euch lautet: Wie geht das Märchen weiter? Sucht euch ein Märchen eurer Wahl aus dem großen Repertoire der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersens oder eines anderen Märchenerzählers und setzt da an, wo die Geschichte aufhört. Wie erging es Schneewitchen, Aschenputtel und Co. nach ihrem angeblichen Happy End? Litt die Prinzessin auf der Erbse ein Leben lang an Schlafproblemen? Eröffneten die Schwindler nach dem Desaster mit dem Kaiser und seinen neuen Kleidern eventuell ihr eigenes Modelabel? Und hat sich die Mutter der beiden Riesen je am tapferen Schneiderlein gerächt? Ich bin gespannt, welche Märchen ihr mir auftischt.


Was ist der Story-Samstag? storysamstagDer Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Ich gebe alle 2 Wochen ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. 

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