[Review] The Parasol Protectorate – Gail Carriger

  • Autor: Gail Carriger
  • Titel: The Parasol Protectorate #1: Soulless
  • Taschenbuch: 299 Seiten
  • Verlag: Orbit (2. September 2010)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 1841499722
  • ISBN-13: 978-1841499727
  • Genre: Fantasy / Science Fiction / Steam Punk
  • Zusammenfassung für die Deutsche Fassung ‚Glühende Dunkelheit‘ (lt. Amazon): Nachdem Miss Alexia Tarabotti in Notwehr einen Vampir getötet hat, steht sie nun dem Alpha-Werwolf Lord Maccon gegenüber – dem Chefermittler der Queen für übernatürliche Angelegenheiten. Als dieser sich weigert, sie in die Ermittlungen einzubeziehen, beschließt Alexia, selbst nachzuforschen, was hinter dem Angriff auf sie steckt. Und plötzlich befindet sie sich nicht nur tief in einer Intrige gegen das Britische Empire – sie sieht auch ihr Herz durch den attraktiven Lord Maccon bedroht …

 

How ghastly for her, people actually thinking, with their brains, and right next door. Oh, the travesty of it all!

Nachdem Goodreads mir nun schon seit mehreren Jahren das Parasol Protectorate aufgrund meiner anderen gelesenen Büchern vorschlug, habe ich mich einfach mal neugierig heran getraut. Sehr viel Eindruck machte das eher semihübsche Cover nicht auf mich und auch seine deutsche Variante ist abgesehen von einem anderen Farbschema recht ähnlich. Aber oho, ’never judge a book by it’s cover‘! Hinter dieser pinken Schrift schlummerte Lesespaß pur.

Ich vermutete einen großen romantischen Plot, doch war positiv überrascht: auch wenn die Beziehung unserer Heroine zu einem Werwolfkriminalisten eine zentrale Rolle spielt, ist es kein schnulziges Gesäusel sondern ein auf erwachsene Leserschaft ausgelegtes Plotelement, dass hervorragend zu unterhalten weiß. Ich würde die gesamte Reihe – bestehend aus 5 Büchern –  eher als Mystery-Komödie mit Fantasyelementen beschreiben. Ein großes Augenmerk liegt dabei auf dem viktorianischen Zeitgeist mit seinen gesellschaftlichen Konventionen. Auch wenn sich der Klappentext wie eine dieser typischen paranormalen Romanzen für junge Erwachsene anhört, verbirgt sich dahinter fantasievoller und gelegentlich etwas alberner viktorianischer Steampunk. Oder eher Teapunk? Aber alles nacheinander.

Wir befinden uns im London zu Zeiten Queen Victorias. Neben interessanten technischen Erfindungen existieren in dieser Welt jedoch auch Werwölfe, Geister und Vampire, die ganz offen und frei unter den menschlichen Bewohnern leben. Aufgrund ihres hohen Alters und Einflusses bilden diese übernatürlichen Kreaturen sogar einen größeren Part der Aristokratie. Auch die Halbitalienerin Alexia Tarabotti ist nicht gerade normales Fußvolk: sie hat keine Seele. Dieser vererbte Zustand wirkt sich auf sie nicht besonders dramatisch aus, jedoch auf die Wesen in ihrer Umgebung, ist sie doch Kryptonit für das Übernatürliche. Bravo für diese originelle Idee, Miss Carriger. Alexia ist mit ihrem betagten Alter von 26 schon weit über das heiratsfähige Alter hinaus, was nicht nur ihre Eltern frustriert, sondern auch für Getuschel in ihren gesellschaftlichen Kreisen sorgt. Zu allem Überfluss ist sie auch noch eine Intellektuelle! Doch dieser Umstand beschert dem Leser clevere Dialoge, geballter Sarkasmus und staubtrockenen Humor.

Die allesamt gut ausgearbeiteten und teilweise sehr überspitzten Charaktere interagieren zusammen in einer mitreißenden Story voller Intrigen, politischen Machtspielchen und gefährlichen Abenteuern. All dies spielt in dieser tollen Welt eines dampf- und zahnradgetriebenen Zeitalters, in der uralte Geschöpfe leben, die gedanklich noch in Barock und Rokoko verweilen.

Am meisten hat mich jedoch das viktorianische Wertemodell mit seinen absurden Sitten und Gebräuchen unterhalten. Nicht selten kommt es unweigerlich zur Situationskomik, wenn die Heldin in Korsett und Reifrock vor Ungeheuern flieht und sich über den Zustand ihrer schmutzigen Kleidung mokiert. Einmal hängt Alexia sogar über dem Abgrund, dem tiefen Fall in den sicheren Tod nahe und ihre Freundin bemangelt ihr unmanierliches, ganz und garnicht damenhaftes Verhalten, da ihr in dieser Pose ja jeder unter die vielen Lagen ihres Rockes blicken kann. Die Beschreibung der damaligen Kleiderkonventionen rutscht zugegeben gelegentlich etwas ins exzessive. Allein die Tatsache, dass in Schottland Männer Röcke tragen, die noch nicht mal die Knie bedecken, lässt hie und da die ein oder andere Dame in Ohnmacht fallen. Überhaupt scheinen Ohnmachtsanfälle schwer in Mode zu sein. Aber in Anbetracht der luftraubenden Corsagen kann man das den Ladys nicht verübeln.

Alle Teile hindurch schafft es Gail Carriger –  selbst eigentlich Amerikanerin – diesen herrlich britischen Ton beizubehalten, der dann und wann sogar ins satirische rutscht und alle Vorurteile mitnimmt. Egal wie chaotisch die Situation gerade ist, so bewahrt ein Gentleman doch immer ein Mindestmaß an Manieren, eine Dame geht auch bei Verfolgungsjagden nie ohne Sonnenschirm und Hut aus dem Haus und die ultimative Lösung für alle Art von Problemen ist immer Tee!

Leider kann ich nichts zur deutschen Übersetzung sagen, aber zumindest die englischen Originale behalten vom ersten bis zum letzten Band ihren Witz und die spritzigen Dialoge bei, die von einer starken, schnellen Handlung geführt werden. Neben dieser amüsanten Bagage wird nebenbei auch noch subtil das ein oder andere politische Statement zu Liberalismus, der Suffragettenbewegung und gesellschaftlichen Vorurteilen fallen gelassen. Trotz der meines Erachtens unansehnlichen Cover kann ich die Abenteuer um das Parasol Protectorate uneingeschränkt als Fantasy-Geheimtipp empfehlen. Für diese Buchreihe rate ich zu einer großen Kanne schwarzen Tee, Gurkensandwiches und gut trainierten Lachmuskeln.

rating5

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3 Kommentare

  1. Hallo, Tex!
    Schön mal wieder was von dir zu hören. 🙂 Das klingt wirklich nach einem Geheimtipp. Komödien, Mysteries, Übernatürliches, victorianischer Steampunk und Sarkasmus ohne Ende? Klingt genau nach meiner Kragenweite. Das werde ich mir definitiv mal näher anschauen. Vielen Dank für den Tipp.
    LG, m

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