[Review] ES

  • Autor: Stephen King
  • Titel: ES
  • Taschenbuch: 1536 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (14. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453504038
  • ISBN-13: 978-3453504035
  • Originaltitel: It
  • Genre: Krimi / Thriller / Roman
  • Zusammenfassung (lt. Amazon): In Derry, Maine, schlummert das Böse in der Kanalisation: Alle 28 Jahre wacht es auf und muss fressen. Jetzt taucht »Es« wieder empor. Sieben Freunde entschließen sich, dem Grauen entgegenzutreten und ein Ende zu setzen.

Ich floh aus der tiefen Nacht – der tiefen Nacht der Kindlichkeit und wurde in den hellen Tag gezerrt – In den Tag des Erwachsenseins

Mit ES präsentiere ich hier nicht unbedingt einen Geheimtipp, schließlich war die Neuverfilmung doch letztes Jahr in Kino, Gesprächen und Netz omnipräsent. Trotzdem möchte ich für die literarische Vorlage heute einmal ein paar Sätze schreiben. Meines Erachtens ist (besonders in der 2017er) Filmversion so einiges an Kings Charme abhanden gekommen, den man eben nur voll empfängt, wenn man seine Bücher liest und ganz in seinen typischen Schreibstil eintaucht.

ES ist wohl eines seiner bekanntesten Werke – ein essentieller King, aber kein gutes Anfangsbuch, wenn man sich in die Kingsianischen Gefilde wagen möchte. Stephen Kings typischer ausschweifender Schreibstil ist eines dieser ‚Man hasst es oder liebt es‘ -Dinge. In ES hat er seinen Schreibstil exzessiv ausgelebt, was schon ein Blick auf die Seitenanzahl verrät. Als King-Fan freue ich mich darüber, denn die Sprache haut einen einfach um. Die weitschweifigen Beschreibungen lassen die Geschichte stellenweise wie einen Tatsachenbericht klingen, was viele Szenen gruselige Realität werden lässt. Selbst die langatmigste Passage kommt zu einem grausigen Aha-Moment. Denn der eigentliche Thrill ist nicht etwa der mörderische Clown, der im dunkeln lauert, sondern der eher alltägliche Horror, der Seite für Seite,Wort für Wort, unbemerkt in uns einsickert.

Dieses Buch ist intensiv. Das liegt wie geschrieben aber weniger an Pennywise, sondern den Botschaften, die der Meister des Schreckens uns vermittelt. Obwohl ES als Horrorstory bekannt ist, handelt es sich – wie das Cover unscheinbar anmerkt – um einen Roman. Es ist eine Coming-of-Age Story, bei der eher zufällig ein Killerclown in der Stadt umhergeht. In ihm offenbart sich die Magie und der Horror der Kindheit: Scheinbar können nämlich nur die Kinder diesen Clown sehen und die Erwachsenen nicht. Die Wunder scheinen an Magie zur verlieren, während wir erwachsen werden. Der Horror bleibt.

Die Figuren belügen sich selbst: Eltern belügen ihre Kinder, die Polizei lügt in Berichten – die ganze Stadt Derry belügt sich zum Selbstschutz selbst, um sich nicht den realen Monstern stellen zu müssen. Seien die Namen dieser Monster nun Misshandlung, Rassismus, Homophobie oder Antisemitismus – manche Menschen, vergiftet von Hass und Vorurteilen, sind gruseliger, als es ein Killerclown wie Pennywise je sein könnte.

Auf diesen Klassiker hebe ich stolz meine vierte von fünf möglichen getrunkenen Tassen in die Höhe. Die letzte bitter gewordene Tasse muss ich aufgrund einer fragwürdigen und völlig unnötigen Sexszene zwischen Minderjährigen leider wegschütten.

rating4
Ich bedanke mich herzlich bei der Verlagsgruppe Randomhouse für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. 
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4 Kommentare

  1. Da bin ich völlig bei dir, diese Szene hätte es nicht gebraucht. Im Übrigen ist „Es“ für mich auch ein großartiges Werk. Als die erste Verfilmung heraus kam, dachte ich, das kann doch gar nicht funktionieren, „Es“ kann man nicht verfilmen. Aber die frühere Version hat mich dann angenehm überrascht. Die Neuverfilmung hätte es – ebenso wie die besagte Sex Szene im Buch – nicht gebraucht

    Gefällt 1 Person

    • Auf der Special Effect Ebene fand ich die Neuverfilmung toll. Das wars dann aber auch. Die 1990er Version hatte m.E. eindeutig den besseren Pennywise. Hauptsächlich, weil er Szenen hatte, in denen er richtig harmlos wirkte, was den psychotischen Killerclowneffekt pointierte.

      Gefällt 1 Person

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