Hallo meine lieben Fantasiegestalten aus dem Märchenwald des Internetzes!

Die berühmten Figuren der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersens und Kollegen standen das letzte mal im Rampenlicht. Und wenn sie nicht gestorben sind dann… aber lest selbst:

Ich hatte eigentlich eine komplett andere Story für euch vorbereitet. Aufgrund der jüngsten wundervoll regenbogenfarbigen Ereignisse jedoch, kam mir heute morgen im Halbschlaf noch eine andere Idee. Deswegen bin ich mit dem Beitrag auch etwas später dran wie üblich. Heute soll es um das Thema Liebe gehen, konkreter um die Aussage Make love, not war, wie man sie seit der Antivietnamkriegsbewegung kennt.

Tagtäglich werden wir mit traurigen Nachrichten von erneuten Terroranschlägen, Vorfällen mit Flüchtlingen und politischen Protesten bombardiert. Ich möchte an dieser Stelle als Sächsin in eigener Sache bemerken: was einige vielleicht als Problemlösung sehen ist für mich KEINE Alternative für Deutschland. Deswegen macht es mir in der aktuellen Lage um so viel mehr Freude, dass die Ehe für Alle nun beschlossene Sache ist und mit bunten Farben etwas Licht ins Alltagsgrau bringt.

Eure Aufgabe für die nächsten Tage: Schreibt einmal ein Szenario, in dem ein weltweites Verbot von Schusswaffen herrscht.


 

Zwei Klingen treffen im Mondschein aufeinander. Alles war in Finsternis getaucht, nur ein Strahl des Mondes trifft auf die zwei Kämpfenden. Die Beleuchtung in diesem Teil der Stadt war aufgrund von Sparmaßnahmen schon seit Stunden ausgeschaltet worden. Nach einem kurzen Kreuzen der Klingen, treten beide zurück und beobachteten die Bewegungen des jeweils anderen. Beide bewegen sich zuerst nur langsam vorwärts, prüfend, den Gegner auswertend, um dann wieder aufeinander zuzurennen. Ihre Schwerter klingen aufeinander. Ein Hieb von rechts von unserem blonden Protagonisten, diesen blockt sein Gegner doch gekonnt ab und startet sofort einen Gegenangriff. Dieser kommt von der linken Seite mit einem hohen Schwung von oben. Da das Schwert des blonden Mannes nicht schnell genug zur anderen Seite ausweichen kann, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit einem Sprung zurück zu springen und erneut in Abwehrstellung zu gehen. Die Klinge erfasst jedoch sein liebstes Rock Cafe-Shirt und reißt sauber einen großen Schnitt in den Ärmel.

Ihr denkt euch jetzt sicher: Moment, Schwertkampf im Rock-Cafe Shirt? Hat der Autor da vielleicht seine Epochen durcheinander gebracht? Oder ist dies der Beginn einer abgefahrenen neuen Anime-Geschichte? Glaubt mir, wenn ich euch sage: dies ist die Realität im Jahr 2058. Die Welt hatte sich nach dem G70-Gipfel gewandelt, als beschlossen wurde, Schusswaffen zu verbieten. Nachdem die Kriminalstatistik weltweit in die Höhe geschossen war, wurden durch strenge Razzien alle Schusswaffen eingezogen und zerstört. Das Gefährlichste, was sowohl Zivilisten, als auch Polizeikräfte und Soldaten der Welt nun besaßen, waren Schlagstöcke, Degen, Messer und Schwerter. Ein wahrer Rückschritt für die Rüstungsindustrie. Kritiker meinten, dass man damit lediglich eine Waffe mit der anderen getauscht hätte. Doch schon nach wenigen Monaten zeigte sich schon, dass die Kriminalitätsrate rapide sank. Man merkte schnell, dass es sehr viel einfacher war, einen kleinen Hebel zu drücken, statt einem Menschen kaltblütig ein Schwert in den Bauch zu rammen. Massenschießereien gehörten der Vergangenheit an. Wer eine Waffe trug, brachte sich dadurch eher nur selbst in Gefahr.  Eine Klinge durfte nur tragen, wer damit auch umgehen konnte. Und wer keine Klinge an der Hüfte trug, galt prinzipiell als friedliebend und wurde in Ruhe gelassen. Und oftmals klärten sich kleine als auch große Konflikte sogar ganz ohne Blutvergießen, wie bei unseren beiden Schwertkämpfern hier. Aber lest selbst…

Nur noch die aufeinander treffenden Klingen sind zu hören, selbst der Wind scheint den Atem anzuhalten und gespannt auf den Ausgang dieses Kampfes zu warten. Nachdem die beiden Klingen von ihren letzten Aufeinanderprallen etwas zur Seite fallen, versuchen beide flux, von neuem einen Angriff zu starten. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass der Blonde seinem Gegner nicht gewachsen ist. Ihm fehlt die elegante Wendigkeit, die Schnelligkeit und Ausdauer. Hechelnd versucht er, mit seinem Gegenüber zu verhandeln. „Bitte, wir können doch über alles reden!“ stieß er hervor. Ihre Schwerter kreuzen sich in einem Kraftkampf. Der Blonde nutzt dieses Patt, um nochmals dem Gegner gut zu zureden. „Ich bitte dich, können wir das nicht anders lösen?“

Diese typische Hollywood-Version des Schwerterkreuzens ist übrigens nur da, um Schauspielern eine Verschnaufspause zu gönnen und ein paar Sätze Dialog loszuwerden, was in einem echten Schwertkampf kaum möglich ist. Man braucht die Luft zum Atmen, damit dringend benötigter Sauerstoff in Hirn und Blut fließt und der Kämpfende somit wachsam genug bleibt, damit ihn der Gegner nicht umbringt. Geistreichelei und billige One-Liner sind bei echten Kämpfen um Leben und Tod in der Regel nur Idioten, Angebern und Witzbolden vorbehalten. 

Beide Schwerter schnellen nach vorne, doch eines ist schneller. Der Blonde spürt den kalten Stahl der Klinge an seinem Hals. Er schluckt sichtbar und quietscht laut mit hoher Stimme ein „Ich ergebe mich!“ hervor.

„Du bügelst deine Hemden also von nun an ohne zu murren allein?“

„Natürlich!“

„Und den Müll?“

„Bring ich ab sofort immer raus! Ich putze jede zweite Woche das Bad und sauge jeden Donnerstag! Und ich räume endlich die Garage auf!“

Seine Gegnerin lächelt grimmig und steckt schwer atmend in einer fließenden Bewegung ihr Schwert in die Scheide zurück. „Na geht doch, Schatz.“ bemerkt sie, küsst den Blonden kurz und wendet sich dann einem Hauseingang zu. „Wo wir das nun geklärt hätten, müssen wir uns wirklich beeilen. Meine Mütter haben uns zum Essen eingeladen. Es gibt Spinatbällchen und Zucchinisuppe mit Pistazienklößchen.“

Der Mondschein lässt den verschwitzten Rücken seiner Liebsten in einem schönen Glanz in der Finsternis erstrahlen. Trotz seiner Niederlage schleicht sich ein leichtes Schmunzeln auf seine Lippen. Die besondere Dynamik in ihrer Beziehung war es schon immer gewesen, ganz ohne Verletzungen und Blutvergießen Dampf abzulassen.


Ich bin am Überlegen, ob der Story-Samstag vielleicht eine kleine Sommerpause machen sollte. Schließlich sollte man in dieser schönen Jahreszeit lieber die Sonne genießen, irgendwo baden gehen und mit Freunden und Familie grillen, statt vor dem Pc zu hocken. Wie seht ihr das? Wollen wir zwei bis vier Story-Samstage Pause machen? Oder freut ihr euch selbst bei Hochtemperaturen auf neue Schreib-Challenges? Hinterlasst mir doch bitte eine kurze Meinung dazu in den Kommentaren.


Was ist der Story-Samstag? storysamstagDer Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Ich gebe alle 2 Wochen ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. 

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