Hallo meine lieben Liebenden im weiten Netz des Datenstroms, entspannten Samstag wünsche ich euch!

Schauen wir uns doch gleich mal die zu herzen gehenden Muttertags-Texte an:

Wo wir gerade bei zwischenmenschlichen Beziehungen sind, machen wir doch gleich weiter damit. Diesmal lautet das Thema der kommenden zwei Wochen für euch nämlich EHE.  Auch diesmal bleibt euch selbstverständlich wieder ganz frei überlassen, wie ihr das interpretieren wollt. Gern könnt ihr mir zauberhafte Geschichten über eine Traumhochzeit schreiben, über Promi-Ehen herziehen, Anekdoten aus dem eigenen Eheleben schildern oder – vielleicht germanistisch ganz kreativ um die Ecke gedacht – ‚ehe‘ als Konstruktion in seiner Bedeutung ‚bevor‘ verwenden. Ich bin gespannt, was euch diesmal wieder so einfällt.

Ich bin prinzipiell sowieso immer beeindruckt, was die fleißigen Schreiberlinge so mit meinen hingeworfenen Schreibaufforderungen zaubern. An dieser Stelle möchte ich mich einmal ganz lieb bei den Teilnehmern bedanken, die immer wieder aufs Neue ihre Beiträge einreichen. Ihr seid famos und ich lese jeden einzelnen eurer Beiträge immer wieder mit Freude. 🙂


Ich werde jetzt nicht verkünden, dass bei mir eine große Verlobungsparty ansteht und ihr alle eingeladen seid. (Hätte ich die finanziellen Mittel, würde ich mir den Spaß aber definitv erlauben. Das wäre doch mal eine spektakuläre Bloggerparty! )Grund des heutigen Themas ist die Hochzeitswelle, die in meinem Freundes- und Bekanntenkreis aktuell die Runde macht. Plötzlich scheint jedes Pärchen – ob nun schon acht oder erst zwei Jahre zusammen – den heiligen Bund der Ehe eingehen zu wollen.

Ich hatte lange überlegt, ob ich ein fröhlich leichtes Märchen schreibe, über eine niedliche Vogelhochzeit, in der ein Amselpärchen viele schwere Schicksalsschläge überwinden muss, bevor sie glücklich vereint ihr gemeinsames Nest bauen. So richtig kitschig romantisch mit Herzchen, Glitzerstaub und einer „Liebe überdauert alles“-Schlussmoral. Doch ich habe diese Geschichtsidee zugunsten eines inneren Diskurses wieder verworfen. Machen wir also einfach mal dieses Fass auf. Jedoch wird mit Öffnung auch etwas Zynismus hervorblubbern und eventuell kann man ein Aroma von Groll erhaschen. Denn Fakt ist doch der: die Ehe als solche ist ein veraltetes Modell, dass einfach nicht mehr in unsere Gesellschaft passt.

Prinzipiell habe ich überhaupt nichts gegen die Ehe als ein Bekenntnis gegenseitiger Zuneigung. Zwei Menschen lieben sich so sehr, dass sie sich bindend versprechen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen? Go, love! In tinder-Zeiten ist Monogamie ja doch zur Seltenheit geworden. Respekt also für jeden, der diesen Schritt geht.

Was mich aber so anstinkt frustriert, ist diese selbstverständliche gegenseitige rechtliche und wirtschaftliche Absicherung, die mit der Ehe einhergeht. Es gibt so unglaublich viele Paare, die sich auch ganz ohne Ringe oder gesetzlich eingetragene Partnerschaft lieben und füreinander alles tun würden. Das müssen nicht einmal romantische Beziehungen sein. Das soziale Gefüge veränderte sich in den letzten Jahren bis auf Mikroebene und beeinflusste auch das Modell der klassischen Familie. Ich selbst nenne sie gern die ‚Generation Friends‘. Freunde und Freundinnen sind für viele Menschen ein valider Ersatz für eine eigene Familie geworden. Wer lebenslang gute Freunde hat, wird einen Ehepartner also nicht unbedingt vermissen. Doch diese Freunde werden in unvorhersehbaren Situationen immer vor rechtlichen Schwierigkeiten stehen.

Versucht doch mal als unverheiratetes Paar bei einem ernsthaften medizinischen Zwischenfall eine Entscheidung für euren Partner zu treffen – da könnt ihr froh sein, wenn ihr überhaupt Auskunft über den medizinischen Zustand des anderen erhaltet. Ähnliches gilt für Steuerklassen, Krankenversicherung, und vielen anderen bürokratischen Bullshit Notwendigkeiten. Klar, wer nur zusammenleben und eine gute Zeit haben will, der kann das auch ohne Trauschein, wer aber tatsächlich in einem größeren Ausmaß Verantwortung für seinen Partner und eventuelle Kinder übernehmen möchte, der kann das auch heute auf rechtlich unkomplizierter Basis leider nur in einer Ehe. Jede andere Form von Partnerschaft stößt über kurz oder lang zwangsläufig auf Barrieren.  Klar kann man das alles über Einzelverfügungen regeln – notariell beglaubigte Patientenverfügung und Ermächtigungen gibt es ja schon jetzt. Doch was die Eheleute mit einem Trauschein erhalten, müssen sich andere Partnerschaften hier – teilweise recht kostspielig- in einem Papierkrieg erkämpfen. An dieser Stelle wünschte ich mir bürokratische Vereinfachungen, in denen man nicht erst nach Passierschein A38 rennen muss. Ähnlich ist das auch mit den steuerlichen Vergünstigungen. Witwenrenten, Steuerklassen, Familienversicherungen… warum sollte das nicht auch für andere Familien gelten, welche dem Zusammenleben einer Ehe gleichen,  wo jedoch der Trauschein fehlt? Vor allem gleichgeschlechtliche Partnerschaften stehen hier noch immer vor riesengroßen rechtlichen Mauern. Zum Glück zieht Deutschland langsam nach; zwar im Schneckentempo, aber es wird.

Mein verkürztes Fazit zu diesem kleinen Diskurs lautet also: Die Institution Ehe hat mittlerweile nur noch selten einen romantischen, sondern vielmehr einen bürokratischen Zweck. Schließlich ist uns doch allen bewusst, dass Beziehungen nur selten ein Leben lang halten. Freundschaften dagegen halten oftmals ewig. Wieso also nicht auch die ‚platonische Ehe‘ einführen, die lebenslangen Freunden unkompliziert alle wichtigen Vollmachten überträgt? Wer die Symbolik braucht, kann ja am Tag der ‚Hochzeit‘ gern Freundschaftskettchen austauschen.


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