[Review] Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

  • Autor: John Green
  • Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (10. November 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446259031
  • ISBN-13: 978-3446259034
  • Empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
  • Originaltitel: Turtles all the way down
  • Genre: Jugendbuch
  • Zusammenfassung (lt. Amazon): Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.

„Ich mag kurze Gedichte mit schrägem Reimschema, weil so das Leben ist. […] Das Leben reimt sich, aber nie an der Stelle, wo man es erwartet.“

Mit der Bewertung des Buches habe ich mich recht schwer getan. Irgendwas zwischen „war ok“ und „fand ich gut“ finde ich recht angemessen. Wie all die Rezensionen auf Goodreads und Amazon jedoch so spektakuär zwischen 4 und 5 ausfallen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Einige bezeichneten diesen neuen Jugendroman von John Green sogar als lebensverändernd. Nun ja,… eher nicht. Ich sage euch auch ungeschminkt, warum:

Das Buch bietet einen tollen Einblick in die Gedankenwelt eines Menschen mit Zwangsneurosen und Angststörungen. Die meiste Zeit ist man zusammen mit der Hauptfigur Aza in ihrem Kopf gefangen und nimmt an ihrem täglichen Kampf mit sich selbst teil. Dieser besteht hauptsächlich aus einer irrationalen Angst vor Keimen und ständiger Selbstreflexion. Einmal in dieser Gedankenspirale gefangen, kommt sie nur schwer wieder heraus. Man bekommt die ganze Bandbreite geboten, den kompletten hässlichen, traurigen, verstörenden und frustrierten mentalen Zustand. Ich war von der Intensität der Beschreibungen so überrollt, dass ich mir selbst schon ganz ängstlich in Lesepausen die Hände gewaschen habe. Green, der selbst an Angststörungen leidet, liefert hier souverän in leichter Sprache ein komplexes Bild ab.

Doch jetzt kommt das große ABER: leider fühlt sich alles außerhalb Azas Gedankenwelt wie eine schlecht konstruierte Füllhandlung an. Der bizarre Subplot des vermissten Millionärs ist gespickt mit unrealistischen Szenen. Die im Klappentext angedeutete Detektiv-Story tröstet nicht darüber hinweg, dass eigentlich überhaupt nix passiert. Hauptsächlich starren die Charaktere in den Himmel, schreiben sich SMS hin und her und verabreden sich zum Essen. Und dann werden diese Szenen mit überphilosophischen Dialogen angereichert. Bei John Green ist es üblich, dass die Teenager oftmals tiefenpsychologische Diskussionen über das menschliche Bewusstsein sowie Ich und Über-Ich führen, doch hier klingen diese Schulkinder wie buddhistische Mönche, die schon jahrelang über das Wesen allen Seins meditieren.

Das Buch hat mich stellenweise wirklich beeindruckt, doch sobald Dialoge auftauchten war ich einfach nur noch frustriert. Pluspunkte gabs für das Ende: Liebe – vor allem Jugendliebe – löst nun mal nicht spontan eine tief verwurzelte Psychose. Zum Schluss steht die simple Hauptaussage in der Luft: Das Leben geht weiter.

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken hat mich entgegen aller Empfehlungen nicht umgehauen. Für Leute, die sich nicht an der unausgereiften Handlung stören und einen Einblick in das seltene Thema Angststörung bekommen wollen, ist es aber durchaus lesenswert.

rating3
Advertisements

5 Kommentare

  1. Hallo, Tex!
    Du machst das mit den Rezensionen ja echt wahr. 😀
    Ich habe auch schon viel von diesem Buch gehört. Ich habe nicht viel Erfahrung mit John Greens Büchern und halte mich vor allen Dingen an die eher unbekannteren von ihm. Deshalb jetzt meine Frage: Gibt es in diesem Buch ein Vor- oder Nachwort des Autors?
    Das Buch würde mich auf jeden Fall interessieren. Allerdings gibt es da dann auch Alice mit ihren 125 Büchern, die noch auf mich wartet… wird also noch dauern. 🙂
    LG, m
    PS. Und? Bist du in letzter Zeit an interessante Orte gereist? 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Es gibt ein Nachwort, in dem er seinen Ärzten dankt und dazu aufruft, Hilfe zu suchen, sollte man psychische Probleme haben. Ich habe bei ihm mit Das Schicksal ist ein mieser Verräter angefangen und mich dann chronologisch rückwärts vorgearbeitet. Irgendwie mochte ich seine früheren Werke besser.
      Leider bin ich im Moment voll im Alltagsstress und konnte nicht wirklich in den Urlaub fahren. Der nächste Ausflug wird vermutlich die Leipziger Buchmesse. Ansonsten spar ich für 2019: Ich werde 30 und möchte das gern an der Freiheitsstatue und mit einem Broadway-Musical feiern. 😉
      Liebe Grüße und alles gute!

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s