• Autor: Neil Gaiman
  • Titel: American Gods
  • Broschiert: 672 Seiten
  • Verlag: Eichborn Verlag (15. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3847905872
  • ISBN-13: 978-3847905875
  • Genre: Fantasy
  • Zusammenfassung: Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder bietet ihm einen Job an. Er nennt sich Mr. Wednesday und weiß ungewöhnlich viel über Shadow. Er behauptet, ein Sturm ziehe auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas. Eine Schlacht, in der Shadow eine wichtige Rolle spielen wird …Eines der meistbeachteten Bücher des letzten Jahrzehnts: eine kaleidoskopische Reise durch die Mythologie und durch ein Amerika, das zugleich unheimlich vertraut und völlig fremd wirkt. Erstmals ungekürzt auf Deutsch und komplett neu übersetzt.

„Gebete sind nichts anderes als blödes Spam, das alle Mailboxen verstopft“

Vorbereitend auf die auf dem Buch basierende TV-Serie, die im April erscheinen soll, habe ich nun schon das zweite mal American Gods gelesen. Leider war es nicht so umwerfend gut, wie ich es in Erinnerung hatte. Das mag vor allem den Grund haben, weil ich diesmal die ‚Directors Cut‘-Version erwischt habe. Aber dazu gleich mehr.

Wie ich schon bei meinen Reviews zu Niemalsland und dem Graveyard – Buch erwähnte, ist Gaiman ein genialer Wortzauberer, der es versteht, den Leser in seine Welt zu ziehen. Auch in American Gods überzeugt er mit einer Fülle an einzigartigen Charakteren: Er erweckt alte Götter wie Odin zum Leben, erschafft neue Fernseh-Götter, beschreibt hinterlistige Kobolde und lustsuchende Succubi. Stories über Mythen, Sagen und Märchengestalten sind einfach mein Ding, sei es nun über ägyptische Götter, nordische Helden, die Odyssee oder die Hexe Babajaga. Dieses Buch ist deswegen geradezu prädistiniert, von mir geliebt zu werden.

Man lässt uns an dem Roadtrip des Protagonsten Shadow teilhaben, der ebenso wie der Leser, auf seiner Reise durch die USA eine Vielzahl an kuriosen Gestalten kennen lernt. Hauptgedanke der Geschichte ist kurz gesagt, dass Götter ihre Kraft von ihren Gläubigern beziehen: Je mehr Gläubiger eine Gottheit hat, desto mächtiger der Gott. Jedoch wendet sich unsere moderne, aufgeklärte Gesellschaft zunehmend vom Glauben ab. Wer Einfach Göttlich von Terry Pratchett kennt, wird dieses Konzept bekannt vorkommen.

Viele bemerken oftmals, dass Neil Gaiman in seinen Büchern keinen roten Faden hätte. Auch American Gods lebt von Nebenerzählungen und Zwischenschritten. Zudem schafft es der Autor, haufenweise Gedankengänge und altkluge Sprüche auf nur eine Seite zu packen, die einen zusätzlich dazu verleiten, kurz inne zu halten, um über das Gelesene nachzudenken. Und hier kommen wir zu meiner Hauptbeschwerde an diesem Buch: es ist einfach zu lang. Hier hätte man vieles kürzen können; besser gesagt: man hat vieles gekürzt. 200 Seiten sogar. Stellt sich nämlich heraus, dass ich dieses mal wohl die ‚Directors Cut‘-Edition aus der Bibliothek erwischt habe, die 12 000 zusätzliche Wörter enthält. Durch die vielen Sequenzen, die ich dieses mal zusätzlich gelesen habe, verlor das Buch leider an Geschwindigkeit und plätscherte ab der Hälfte dann nur noch so träge dahin. Ich erinnere mich jedoch daran, dass die gekürzte Fassung sehr viel mehr Schwung hatte.

Im Gegensatz zu seinen Büchern wie Coraline oder Stardust, die eher an jüngeres Publikum gerichtet sind, sollte man sich im Klaren sein, dass American Gods voller Sex und Profanitäten steckt. Zudem bedarf es bei der Fülle an Figuren erhöhter Aufmerksamkeit und eventuell etwas Vorwissen über germanische Gottheiten. Der Stil macht es zudem nicht einfach, schnell in das Buch einzusteigen. Es bedarf einiger Seiten, bis man wirklich im Lesefluss ist.

Wenn ihr euch also an Neil Gaiman heran traut, empfehle ich euch, NICHT mit American Gods anzufangen, schon gar nicht mit der ungekürzten Version. Dennoch empfehle ich dieses Buch. Einfach weil es genial ist und man als Leser ins Zweifeln kommt, ob nicht sehr viel mehr Zauber in unserer Realität verborgen liegt.

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Die 3 Tassen sind hier ein Durchschnittswert. Prinzipiell verdient American Gods eigentlich 4 Tassen (ein tolles Leseerlebnis). Hier geht es jedoch um die ungekürzte Version, die durch ihre Längen einfach nicht überzeugte und nur zwei Tassen (ok) erhält.

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