Da mich das aktuelle Thema beflügelte, habe ich hier gleich noch eine Fortsetzung der gestrigen Story für euch: 

Das Erderkundungsteam schrumpfte drastisch. Von Tag zu Tag lauerten neue Gefahren im Unterholz. Offizier Mlrki war außerdem so dumm, die Nahrung der Menschen zu probieren. Sie nannten es Käse. Was anscheinend durchaus eine wohlschmeckende Angelegenheit war, hatte seine Folgen: Mlrki landete mit üblen Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und zudem noch Durchfall auf der Krankenstation und war fürs Erste nicht dienstfähig. Auch hierfür hatten die Menschen ein monströses Wort in ihrer archaischen Sprache: Laktoseintoleranz. Als sie unseren Wissenschaftlern erklärten, dass sie die Produkte dafür aus einem harmlosen Tier namens ‚Kuh‘ gewannen, beschloss die Wissenschaftsgruppe 7-A, ein Tier dieser Spezies zu fangen und für die Entwicklung eines Gegenmittels für den Offizier zu untersuchen. Als das Team jedoch schwer verletzt wiederkehrte und berichtete, dass die männliche Variante Hörner hatte und nicht unbedingt als ‚harmlos‘ bezeichnet werden konnte, brach man das Experiment ab und ließ Mlrki in seinem Elend.

Der Geruch war zum Glück weit genug verzogen, dass ich wieder für das kleiner werdende Team losziehen konnte. Sollte. Langsam hatte ich Albträume von diesem Planeten und wollte nur noch zurück nach Epsylon17. Als sie uns in der Akademie sagten, die Neueroberung anderer Planeten sei ein Job voller Prestige, hatten sie uns die Existenz von Feinden wie etwa Bienen, Brenneseln und Bären verschwiegen.

Diesmal wurden wir auf einer anderen Zone ausgesetzt, dass uns mit einem komplett anderen Klima konfrontierte; und mit neuen Feinden.

Einer von ihnen kam jede Nacht und holte sich einen von uns. Wir begriffen schnell, dass es ein Fehler war uns aufzuteilen, obwohl diese weiten Savannen nicht besonders belebt und sicherer schienen, als die bewaldeten Gebiete. Das Monster bewegte sich so schnell, dass wir es nur schwer sichten konnten. Manchmal fanden wir die Überreste eines Crewmitglieds am nächsten Morgen, zerfleischt und von Vögeln umringt, die sich an den Überresten labten. Das wenige, was wir den Videoüberwachungen entnehmen konnten, zeigte uns ein Wesen des puren Horrors: Gelbe Augen, die leucteten, sobald sie Licht einfingen. Es hatte Reiszähne, so lang wie seine Krallen. Diese waren leicht gebogen, um ihnen das Klettern zu erleichtern. Im hellen Gebüsch machte es das wüstenfarbige Fell und die dunkleren Flecken unmöglich, das Biest zu entdecken. Selbst die nativen Homo Sapiens hatten Respekt vor dem Wesen und nannten es einen ‚Leopard‘. Als die Menschen uns vor ein paar Tagen erklärten, dass ‚Katzen‘ zwar bösartige hinterhältige Biester, aber nicht tödlich seien, ahnten wir nicht, dass wir dieser Gattung auch in einer größeren Variante entgegenstehen könnten. Die Tatsache, die kleine Variante als ‚Gesellschaftstier‘ in ihren Wohnräumen leben zu lassen und deren Wünsche zu erfüllen war uns schon absurd genug. Wir waren konstant auf der Hut, schüttelten uns vor Angst und taten kein Auge mehr zu angesichts der Bedrohung. Das Gerücht ging um, dass es noch ein gefährlicheres Wesen als diesen ‚Leoparden‘ geben sollte, noch größer und gefährlicher in jedem möglichen Sinne: gestreift, statt gepunktet, und eines Geräusches fähig, dass seinen Feinden die Todesangst in die Knochen trieb und sie in Schreckstarre versetzte. Während der Leopard unsere Soldaten zu Boden ringte und ihnen die Kehlen heraus riss, würde dieser ‚Tiger‘ uns allein mit einem Sprung erlegen.

Wir nahmen Abstand von größeren Flächen und fanden eine Insel, welche die Menschen ‚Australien‘ nannten. Die Wissenschaftler vermuteten, dass eine kleine Fläche, die von Meer umgeben war, wohl kaum so seltsame Gestalten hervor bringen konnte, wie das auf dem Festland der Fall zu sein schien. Auch hier stellten sich unsere Wissenschaftler als Scharlatane heraus, sobald wir dort landeten. Ein gefangener Einwohner führte uns herum und erzählte uns recht gesprächig über das Translator-Fon von einigen Wesen, mit denen wir zu rechnen hatten. Jedoch war unser Führer nur eine kleine Hilfe. Ein siebenköpfiges Team kehrte nur zu fünft zurück und erzählte von einem muskelbepackten Tier, dass erst in großen Sprüngen schnell näher gekommen wäre und dann mit seinen bloßen Fäusten angegriffen hätte. Und das alles, während das kleinere Nachkomme seiner Art unbekümmert aus dessen Bauchtasche sah. So abgebrüht waren diese Tiere, dass sogar die Kinder bei dieser Schau an Aggression nicht einmal aus der Ruhe zu bringen waren.

Ein anderes Team kehrte nach wenigen Stunden ebenfalls zum Camp zurück und berichtete von einem Angriff wilder Vögel, die mit bis zu 50km/h rennen konnten und einem die Augen auszupicken drohten. Bis jetzt hatten wir alle Tiere mit Federn statt Fell eher zur harmloseren Sorte gezählt. Wieder hatten wir jedoch die manigfaltigen Wesen auf diesem Planeten unterschätzt. Der Führer klärte uns nach einer Erzählung der überlebenden Teammitglieder auf.

„Ihr braucht euch deswegen nicht schämen. Auch wir haben einen Krieg mit den Emus verloren. Der Einsatz führende Major hatte vom australischen Verteidigungsministerium den Erschießungsbefehl erhalten, doch das einzige Ergebnis war viel verschwendete Munition und Tausende angesäuerter Emus.“ Mit Horror geweiteten Augen tauschten meine Teamkollegen und ich Blicke aus. Gemeinsam entschieden wir, uns sofort wieder vom Mutterschiff abholen zu lassen. „Wie nur könnt ihr auf so einem gefährlichen Planeten überleben?“, frage ich den Menschen, während wir warten. Dieser zieht seine Mundwinkel nach oben, entblößte seine Zähne und zeigte wieder dieses ‚Lächeln‘, dass für die Menschen ein Zeichen von Humor und Freude war. Wie in einer Welt voll von Reißzähnen diese Mimik nicht als Gefahrensignal gedeutet wurde, war mir noch immer schleierhaft.

„Hartnäckigkeit, Einfallsreichtum und hohe Krankenversicherungsbeiträge.“

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