• Autor: Thees Uhlmann
  • Titel: Sophia, der Tod und Ich
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462047930
  • ISBN-13: 978-3462047936
  • Genre: Belletristik / Gegenwartsliteratur

amazon-buttonZusammenfassung: Wie kaputt muss man sein, um bei jemandem an der Tür zu klingeln und zu behaupten, man sei der Tod? Was wie ein schlechter Scherz beginnt, ist der Auf-takt zu einem hinreißenden, nicht enden wollenden Wortgefecht zwischen dem Tod und dem Erzähler, in dem es um Liebe, Freundschaft und Glauben, um den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg zur Mutter und zu Johnny, dem kleinen Sohn des Erzählers, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. Mit dabei: Sophia, die ruppig-souveräne und weise Exfreundin. Es ist eine Reise zwischen Himmel und Hölle, die geprägt ist von der Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod begeistert durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen aufwirft wie: Muss der Tod eigentlich pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? Und es geht um die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«?
»Sophia, der Tod und ich« ist eine irrsinnig lustige, berührende Suada, druck- und kraftvoll in jeder Zeile. Die ganze Herrlichkeit des Lebens gefeiert in einem Buch.

Rezension: 

Und ich dachte, dass sich gegenseitig Fotos zu erklären ein kleiner Weg zum Frieden ist, weil die Motive unterschiedlich sind, aber die Intention hinter jedem Foto ist dieselbe. Der Wunsch, sich für immer erinnern zu können. Und wenn jemand nach dem Foto fragte, könnte man immer erklären, warum das Bild mehr ist als die Abbildung der Dinge.

Wieder einmal habe ich einen Spiegel-Bestseller beendet, um zu sehen, ob es den Hype wert ist. Und ich muss zustimmen, dass die breite Leserschaft hier einmal auch meinen Geschmack trifft. Sophia, der Tod und ich ist ein hervorragender Roman und wenn man erst einmal im Stil drin ist, auch wunderbar geschrieben. Etwas spät habe ich registriert, dass dieser Thees Uhlmann wohl nicht etwa ein Debut-Autor ist, sondern anscheinend schon bekannt. Als mir eine Freundin ein Lied vorspielte, hat es dann auch bei mir geklingelt. Ich kann an dieser Stelle also betonen, dass ich ganz ohne ‚Fangirl‘-Vorbelastung an das Buch heran gegangen bin.

Hauptfigur ist ein lethargischer Misanthrop, der mit sich und der Welt im allgemeinen eher unzufrieden ist. So abgestumpft ist er, dass es ihn auch nicht großartig juckt, als der Tod plötzlich vor seiner Tür steht. Sowohl der Protagonist als auch sein neuer bester Kumpel, der Tod, kommen recht altklug daher und unterhalten den Leser mit Lebensweisheiten und Diskussionen über das Alltägliche. Diese seltsame Dynamik zwischen gleichgültigem Ich-Erzähler und – ironischerweise – lebensbejahendem Tod, der wie ein kleines Kind mit Begeisterung die Welt für sich entdeckt, hatte mich schnell gepackt und in ihr Abenteuer mitgerissen.

Die ‚Actionszenen‘ zwischen den Hauptfiguren und dem Antagonisten wollten nicht so richtig ins Bild passen. Ich nehme an, sie sollten der Handlung mehr Schwung verleihen, wirkten für mich jedoch etwas Fehl am Platz. Sie schienen Uhlmann aber anscheinend nötig, damit sich sein ‚Alltags‘-Held auf die Reise begibt, um wieder Verbindung mit den Menschen aufzunehmen, die dem Ich-Erzähler etwas bedeuten. Als die Beziehung mit der Mutter wieder im Reinen war, seine Gefühle zu Sophia geklärt und auch der lang vermisste Sohn wieder in Reichweite kam, war das absehbare, tragische Ende des Buches nicht traurig. Es ließ mich eher mit dem Gedanken zurück, dass der Tod nun mal ein Fakt ist, dem wir uns alle über kurz oder lang stellen müssen.

Und wenn glückliche Momente selten sind, erinnert man sich umso stärker an sie, dachte ich auf der Straße zwischen Sophia und dem Tod. Ich fragte mich, ob das nicht sogar besser war als ewiges Glück.

Getragen wurde die eher schwache Handlung für mich von den Dialogen und der Gedankenwelt des Protagonisten, die vom Seinsphilosophischen scheinbar übergangslos ins Alberne wechseln konnten. So wirken die Überlegungen zur Vergänglichkeit nicht düster, sondern ‚matter-of-fact‘ und fast schon heiter.

Solokünstler und Sänger der Band „Tomte“ Thees Uhlmann ist ein Geschichtenerzähler, der es schafft eine unglaubliche Geschichte durch Wortwitz und trockenem Humor sehr unterhaltsam zu gestalten. Das Buch wird jedoch weniger von der Handlung, sondern von der Erzählart Uhlmanns und den teils tiefgründigen Dialogen getragen. Auch wenn die Geschichte selbst banal anmutet, so hat sie doch ein emotionales Hauptthema: die Versöhnung mit allen Menschen, die einem wichtig sind.

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