• Autor: Algis Budrys
  • Titel: Projekt Luna
  • Originaltitel: Rogue Moon
  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (11. Juli 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 345331767X
  • ISBN-13: 978-3453317673
  • Genre: Science Fiction

Zusammenfassung (lt. Amazon):amazon-button Auf dem Mond lauert der Tod. Wir schreiben das Jahr 1959. Satelliten entdeckten ein rätselhaftes Gebilde auf dem Mond, das jetzt unter strengster Geheimhaltung untersucht wird. Es scheint ein gewaltiges Labyrinth zu sein, das offenbar von einer außerirdischen Zivilisation errichtet wurde. Als die Wissenschaftler, neugierig geworden, das Bauwerk betreten, erwartet sie dort ein grauenvoller Tod. Der Physiker Dr. Edward Hawks und der todesmutige Abenteurer Al Barker wollen das Rätsel des Labyrinths lösen, doch so leicht gibt der Mond seine Geheimnisse nicht preis …

Rezension: 

„[…]Der neue Barker hat ihr Gedächtnis und erinnert sich sogar noch an den erst halb zu Ende gedachten Gedanken, den er jetzt auf dem Mond zu Ende denkt. Aber der ursprüngliche Barker ist für immer verschwunden, seine Atome verwandeln sich in die Energie, die den Transmitter betrieb.“

„Ich bin also tot“, stellte Barker fest. Er zuckte mit den Schultern. „Nun, schließlich haben Sie mir nie etwas anderes versprochen.“

Ich musste mir für diese Rezension etwas länger Zeit lassen, um meine geteilten Ansichten in Einklang zu bringen. Schaut man auf Amazon, erschrickt man erstmal wegen der traurigen zwei Rezensionen, die dem Untertitel ‚Meisterwerke der ScienceFiction‘ widersprechen zu scheinen. Das hat vor allem den Grund, dass dieses Werk von Budrys bereits 1960 erschien und der Schreibstil vermutlich so nicht mehr zeitgemäß ist.

Als Einleitung erst einmal soviel: Das Luna Projekt ist tatsächlich ein Klassiker, der seines Gleichen sucht. Es stellte in den 60ern ein neues Konzept dar, nicht über Aliens zu schreiben und es trotzdem als Sci-Fi zu betiteln. Der Hauptplot dreht sich tatsächlich auch um die Erkundung des seltsamen Objektes auf dem Mond und den damit verbundenen Risiken. Dominiert wird die Handlung jedoch von den exzentrischen Charakteren und deren Dialogen. Es ist weniger ein typisch futuristisches Science-Spektakel, sondern mehr ein Essay darüber, was es heißt, man selbst zu sein. Es beschäftigt sich weniger mit dem Outer, als dem Inner Space.

Die Charaktere sind in einem konstanten Kampf mit ihrer Identität: Hawks überwacht mit strenger Hand sein Projekt und hat kein Problem mit menschlichen Verlusten, solang nur seine Neugier gestillt wird. Barker ist laut, halsstarrig und ohne Hemmungen zu beweisen, dass er ein richtiger Mann ist. Connington dagegen erreicht mit Manipulation und hintertriebenen Machenschaften sein Ziel, die verführerische Claire für sich zu gewinnen, die mit Männern spielt, als seien es nur Marionetten. Gern würde ich an dieser Stelle etwas bezüglich Sexismus sagen, dem unpassenden Frauenbild und den überholten Geschlechterrollen. Jedoch ist dieses Buch nun mal aus den 60ern und teilweise wusste ich auch nicht, ob Budrys mit Absicht diese klischeebehafteten Figuren geschaffen hat, da er offensichtlich auf die überspitzten Charakterzüge aufbaute. Alle Figuren in diesem Buch sind seelisch gebrochen, oftmals gefährlich und man kann sie nicht leiden. Ich zumindest konnte mich weder mit einer Figur identifizieren, noch wurde mir eine sympathisch.

Das Buch ist voller Symbolismus, Metaphern und philosophischen Elementen über die Frage, was es heißt, Mensch zu sein und als Mensch zu sterben. Wer also einmal ganz tief in die menschliche Psyche eindringen möchte, dem kann ich das Luna-Projekt wärmstens empfehlen.

Wer allerdings auf ein intressantes Sci-Fi – Abenteuer hofft, in dem das geheimnisvolle, außerirdische Gebilde die zentrale Rolle spielt, dass so prominent auf dem Cover prangt, dem sei von diesem Buch abgeraten. Es fängt zwar vielversprechend an, stagniert dann jedoch in eine ewige Ansammlung von Dialogen. Lediglich das Ende nimmt noch einmal etwas Fahrt auf, ließ mich jedoch mit meinen Fragen zur Aufklärung des Mysteriums um das Mondgebilde nur unbefriedigt zurück.

Ich hatte von diesem Buch etwas völlig anderes erwartet, und bekam ein interessantes philosophisches Gedankenexperiment. Da mich die nicht enden wollenden Dialoge an gewissen Punkten jedoch ziemlich ermüdeten und das Ende nur wenig Aufschluss über das Gebilde gibt, mache ich Abzüge.

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