Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die bspw. hungern müssen und Ihr nebenher futtert?

Das Buchfresserchen ist zurück aus der künstlerischen Pause und stellt diesmal eine Frage, bei der sich meine dunkle Seite etwas zeigt. Machen mir leidende Charaktere ein schlechtes Gewissen?

Ganz ehrlich: Überhaupt nicht. Ich liebe es wenn Charaktere leiden. >:)

Das klingt jetzt böse. Ich bin grundsätzlich nicht sehr sadistisch veranlagt und habe kein Interesse daran, dass es Menschen schlecht geht. Das Tagebuch der Anne Frank ging mir schon genug an die Nieren. Bücher nach wahren Begebenheiten lassen mich sowieso oftmals mit einem unerfreulichen, mulmigen Gefühl zurück.

Rein fiktionale Geschichten jedoch? Ganz großes Kopfkino. Lasst einen Helden ruhig ein paar Tage in einem kaltfeuchten Keller mit nichts als seinen Gedanken allein. Ein guter Autor wird mit Worten ein Bild zeichnen, dass einem eine Gänsehaut auf die Haut treibt: der nagende Hunger, trockene Zunge, kratziger Hals, die Wunde am Bein brennt und wird sich vermutlich bald entzünden, da sich der Dreck in diesem Höllenloch auch auf den eigenen Körper setzt. Die Fesseln reiben Blessuren. Finger kann man durch die Kälte und den Blutmangel schon lang nicht mehr spüren. Langsam schwillt die Wange an von dem linken Haken, die einer der Handlanger ausgeteilt hat. Doch das ist alles erträglich, wäre nur nicht dieser beißende Durst…

Warum mir solche Szenen gefallen, kann mir ja mal ein Psychologe aufdröseln. Ich kann es euch nämlich beim besten Willen nicht richtig erklären, wieso diese Faszination für leidende Charaktere besteht. Schickt mir eure Analyse gern per Post! Schreibt jedoch ‚Zelle 17‘ dazu, sonst landen die Briefe wieder nur bei dem Typen mit der paranoiden Schizophrenie nebenan.

 

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