[Montagsfrage] Kw 36

Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die bspw. hungern müssen und Ihr nebenher futtert?

Das Buchfresserchen ist zurück aus der künstlerischen Pause und stellt diesmal eine Frage, bei der sich meine dunkle Seite etwas zeigt. Machen mir leidende Charaktere ein schlechtes Gewissen?

Ganz ehrlich: Überhaupt nicht. Ich liebe es wenn Charaktere leiden. >:)

Das klingt jetzt böse. Ich bin grundsätzlich nicht sehr sadistisch veranlagt und habe kein Interesse daran, dass es Menschen schlecht geht. Das Tagebuch der Anne Frank ging mir schon genug an die Nieren. Bücher nach wahren Begebenheiten lassen mich sowieso oftmals mit einem unerfreulichen, mulmigen Gefühl zurück.

Rein fiktionale Geschichten jedoch? Ganz großes Kopfkino. Lasst einen Helden ruhig ein paar Tage in einem kaltfeuchten Keller mit nichts als seinen Gedanken allein. Ein guter Autor wird mit Worten ein Bild zeichnen, dass einem eine Gänsehaut auf die Haut treibt: der nagende Hunger, trockene Zunge, kratziger Hals, die Wunde am Bein brennt und wird sich vermutlich bald entzünden, da sich der Dreck in diesem Höllenloch auch auf den eigenen Körper setzt. Die Fesseln reiben Blessuren. Finger kann man durch die Kälte und den Blutmangel schon lang nicht mehr spüren. Langsam schwillt die Wange an von dem linken Haken, die einer der Handlanger ausgeteilt hat. Doch das ist alles erträglich, wäre nur nicht dieser beißende Durst…

Warum mir solche Szenen gefallen, kann mir ja mal ein Psychologe aufdröseln. Ich kann es euch nämlich beim besten Willen nicht richtig erklären, wieso diese Faszination für leidende Charaktere besteht. Schickt mir eure Analyse gern per Post! Schreibt jedoch ‚Zelle 17‘ dazu, sonst landen die Briefe wieder nur bei dem Typen mit der paranoiden Schizophrenie nebenan.

 

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18 Kommentare

  1. So so, eine kleine Sadistin also… wer hätte das gedacht 😉 Ich erspare mir das mal mit der psychologischen Aufklärung, weil ich jetzt auch einen ganz wichtigen Termin bei meinem Psychiater habe (muss unbedingt besprechen, warum ich so gerne Kekse esse, wenn Romanfiguren Hunger leiden….) 🙂

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  2. Hallo, Tex!
    Oh, die wahren Begebenheiten sind bei mir auch ab und an ein Schlag in den Magen, deshalb lese ich sie nur vereinzelt.
    Bei fiktionalen Begebenheiten, wie die, die du schilderst, ist es vielleicht einfach die Sicherheit, „dass bei den Schreibarbeiten keine echten Menschen zu Schaden gekommen sind“. Da kann man dann die dunkelsten, schwärzesten, finstersten Abgründe der Seele besuchen gehen und alle die Monster in einem tätscheln, bevor man wieder zurück ins Licht und sicher gehen kann, dass die Dunkelheit einen nicht im Alltag überkommt. 😉
    Hast du eigentlich „Eene Meene“ von M.J. Arlidge gelesen?
    LG, m

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    • Wortgewandt, Miss M! Mir gefällt dar Gedanke, dass ich solche Bücher als Ausgleich benutze, damit ich tagsüber nicht durchdrehe. An der Theorie könnte etwas dran sein.
      Nein, ist mir leider unbekannt. Scheint aber ein lesenswertes Buch für mich zu sein, wenn du es in diesem Zug erwähnst?

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      • Oh, bei deiner kleinen Geschichte musste ich sofort daran denken. Es ist stellenweise wirklich grausig, aber sehr spannend. Der Verlag ändert aber andauernd das Design der Reihe. Ich glaube, das Buch heißt jetzt anders, aber es ist der erste Teil der Reihe rund um Helen Grace. 🙂 Als du es so beschrieben hast, dachte ich, du kennst es vielleicht. 🙂

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      • Meine Neugier ist jedenfalls geweckt! Kommt sofort auf die WuLi. Aber vermutlich als Ebook. Eine weitere ungleiche Buchreihe auf meinem Regal verträgt meine Pingeligkeit nicht. Auch so ein Punkt, an dem ich mit meinem Psychiater noch arbeiten muss. 😉

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      • Ich rätsle auch schon, wie ich das lösen soll. Sobald ich das nächste Buch kaufe, werden die vermutlich schon wieder ein neues Design aus dem Ärmel schütteln. Ich meine, drei verschiedenartige Cover innerhalb von fünf Büchern? Wer kommt denn auf sowas?

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  3. Hallo,
    mir geht es ähnlich. Allerdings habe ich meine Frage noch ein wenig erweitert, nämlich um die Frage, welche Wichtigkeit oder welchen Stellenwert das Essen für uns hat. Meine Antwort findest du auf vielleserin.de.
    Viele Grüße,
    Marie

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  4. Wow, mit der Antwort hatte ich jetzt auch nicht gerechnet 😀 Mir gefallen solche Szenen zwar nicht besonders, aber es ist auch nicht so, dass ich da wirkliches Mitleid mit den Charakteren habe. Bei eine Biografie wäre das natürlich was anderes, aber solange es alles fiktiv ist, ist es mir auch recht egal.

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  5. Ich merke mir die eine oder andere Bösartigkeit, die Helden in Büchern so widerfährt, ganz gern mal, um sie bei Rollenspielabenteuern meinen Mit-Charakteren anzutun *bösartigesgrinsen*
    Aber ich find mich solange völlig normal, als dass es mir NIE einfallen würde, das auch wirklich umzusetzen. Meine imaginären Freunde dagegen sollen ruhig leiden. Schließlich heimsen sie auch immer wieder mal den Ruhm ein, die Welt gerettet zu haben.

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  6. *lol* Da bewahrheitet sich wohl wieder mal der SAtz „Je blutiger, desto Frau“. *g*
    Ich mag es auch durchaus brutal und sadistisch und perfide, wenn es um Thriller und Krimis geht. Da habe ich beim Lesen ebenso wie bei anderen fiktiven Geschichten auch kein schlechtes Gewissen. Da ich aber auch viel Tatsachen-Literatur lese, bemerke ich dabei dann doch das oder andere mal, dass mein Gewissen mich piekst bzw. ich über meine Lebensumstände nachdenke.
    Viele Grüße
    sanne aka Wortgestalten

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  7. Liebe Tante Tex,

    wie mich ein Buch berührt oder nicht, ob ein Protagonist hungert oder z.B. traurig ist, kommt natürlich auch immer ganz darauf an, ob es sich um eine fiktive Geschichte handelt oder nicht.

    Auch fiktive Geschichten berühren mich oder machen mich betroffen, wütend, traurig usw. und dass ist auch gut so. Aber ein schlechtes Gewissen, wenn ein Protagonist in einer erfundenen Story verhungert, habe ich definitiv nicht.

    Anders ist meine Lese-Situation natürlich, wenn ich weiß dass es sich um eine reale Geschichte handelt. Ich möchte nicht unbedingt sagen, dass ich dann ein schlechtes Gewissen habe, aber ich werde dadurch angestoßen meine eigenen Handlungen im Alltag zu überdenken, um verantwortungsbewusster zu agieren. Diese Reaktion bzw. Haltung halte ich für absolut gesund und wichtig.

    Viele Grüße

    Nisnis

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  8. Ich mag keine grausamen Bücher, weil ich viel zu sehr mitleide. Wenn z.B. jemand verstümmelt wird (bin vom gestrigen Tatort geschädigt) – leg ich das Buch weg. Illuminati war so ein Fall.
    Trotzdem hat auch jedes „harmlose“ Buch seine „Stellen“. Aber wenn z.B. gehungert wird, schmeckt mir mein Keks erst richtig! Da merk ich ja erst, wie wenig selbstverständlich es ist, Kekse zu haben. Dann freu ich mich, dass ich einen habe. 😉

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