• Autor: Dave Eggers
  • Titel: Der Circle
  • Originaltitel: The Circle
  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462048546
  • ISBN-13: 978-3462048544
  • Genre: Gegenwartsliteratur / Dystopie

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Zusammenfassung (lt. Amazon): 
Huxleys schöne neue Welt reloaded: Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …

Review:

GEHEIMNISSE SIND LÜGEN

TEILEN IST HEILEN

ALLES PRIVATE IST DIEBSTAHL

Wir erinnern uns an George Orwells 1984 und dessen Parolen wie „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ und „Unwissenheit ist Stärke“? Im Circle spinnt Dave Eggers die Geschichte weiter und zeigt uns auf was passiert, wenn die sozialen Medien wie Facebook Google und Co. die Funktion des Big Brothers übernehmen.

Den Circle gibt es nicht. Oder doch? Eggers nahm sich wohl ein Beispiel an einem Google-Campus und beschrieb das Hauptquartier des Circles überraschend ähnlich. Der Googleplex in Kalifornien beispielsweise beherbergt einen Park, eine Lobby mit Klavier, eine Sporthalle, ein Beach-Volleyball-Platz, Schwimmbäder, eine Wäscherei, sowie achtzehn Kantinen.

Bilder vom Google-Campus in Dublin

Auch hier sehen wir junge Developer, Software Engineers und Wissenschaftler außerhalb der IT-Branche in einem Umfeld an gemeinsamen oder Spezialprojekten arbeiten, dass in keiner Weise an einen üblichen Bürojob erinnert. Was bei Eggers also für Unwissende als utopisch anmutet, ist für den Giganten Google schon längst Realität. Der Autor schickt Mae, ein naives Mädchen mit dem Traum von der großen Karriere, in diese schon reale Welt. Auch die Techniken, die er in seinem Roman beschreibt, sind schon längst möglich: Chips für Kinder, kriminelle Früherkennung, selbst fahrende Autos und Kameras in den entlegensten Winkeln? Gibt’s alles schon. Es ist nur eine moralische Frage, die diese technischen Möglichkeiten nicht schon Realität werden lässt. Als Informatikerin zucke ich da nicht mal mit der Wimper.

Von daher kann ich dem Buch nicht unbedingt einen Punkt für Originalität geben. Eggers spielt also eher mit einer tatsächlichen Gegenwart ein Gedankenexperiment durch. Und genau dieser Fakt machte das Buch für mich so reizvoll, denn es erschreckt. Die Vision vom ‚geschlossenen Kreis‘ ist uns allen nur all zu vertraut und mutet zu Beginn erstmal gar nicht so gruselig an. Man denke nur an die Bequemlichkeit, die uns die Vernetzung heute schon bietet und die wir alle schon nutzen: Ihr mögt ein Buch auf Goodreads und das wird auch automatisch auf Facebook geteilt. Goodreads ist eine Gesellschaft von Amazon, was bedeutet, dass ihr eure ‚Noch zu lesen‘-Liste ganz easy in einen Amazon-Wunschzettel übersetzen könnt. Ebay und Amazon wiederum sind mit einem Paypal-Account für leichte Bezahlung verknüpft. Privatsphäre ist schon längst Geschichte. Der Schritt zur Kontrollgesellschaft ist schon jetzt erschreckend klein.

Wenn man dieses Buch als Roman ansieht, ist es nur mittelprächtig: die Charaktere sind flach. Vor allem der Protagonistin Mae mangelt es an emotionaler Tiefe. Die Story ist, wie erwähnt, weder besonders originell, noch floß großartig eigene Kreativität in den Handlungsort. Der Schreibstil jedoch ist schnell, unterhaltsam und liefert plausible Ergebnisse. Zudem mochte ich das Ende: Jede Art von Happy End hätte für mich in einer Enttäuschung geendet.

Für eine innovative Dystopie würde ich dem Circle vermutlich nur ein schwaches Rating geben. Das Gedankenexperiment selbst jedoch hielt mich in einem schlimmen Albtraum gefangen, aus dem ich nur schwer fliehen konnte. Mir blieb das ‚LOL‘ jedenfalls im Halse stecken. Von mir gibt’s ein ‚Like‘.

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