Schönen Samstag, alle miteinander! Ich bin etwas spät dran heute aufgrund von technischen Wehwehchen. Aber ihr konntet euch ja sicher anderweitig beschäftigen. Habt ihr zum Beispiel schon die atemberaubenden Beiträge der letzten Story-Runde gelesen?

Das letzte mal produzierte die Aufgabe, aus der Perspektive eines Bösewichts zu schreiben, eine Story über Zwillinge, ein Gedicht über Politiker, und eine Buchrezension. Die Vielfalt der Einsendungen war grandios!

Ich bin seit dieser Woche endlich im Besitz der LP von Adeles Album 19, dass auf Schallplatte einfach nochmal viel beeindruckender klingt, als meine Mp3s oder CD. Oftmals lege ich mich einfach nur ins Bett und lausche dieser souligen Stimme. Immer wieder kleben bleibe ich jedoch bei ‚Home Town Glory‘, welches auch das heutige Thema inspiriert hat. Schreibt mir doch einmal etwas zum Thema ‚Home Town ‚ – über eure

Heimat.

Meine Heimat ist ein Ort, den man gerade so als Stadt bezeichnen kann. Das dieses verschlafenen Städtchen auf etwa 100 Einwohner pro Quadratkilometer kommt, verdankt es der Eingemeindung von 12 umliegenden Dörfern. Der Ausdruck „Wo sich Fuchs und HaseGute Nacht‘sagen“ wurde vermutlich dort geprägt. Die Ortsteile bestehen dabei oft nur aus einer langen, schlecht ausgebauten Straße mit einem Haus oder einer Scheune hie und da. Immerhin findet man im Ortskern eine Kirche, eine Sparkasse, ein Rathaus und ein paar Einkaufsmöglichkeiten. Wie etwa 4 Bäcker. Wie sich diese Bäcker bei dieser geballten Konkurrenz alle halten, ist mir schleierhaft. Dafür findet sich keine Drogerie weit und breit. Zahnpasta und Shampoo bekommt man im Discounter oder man fährt 20 Kilometer weiter in die nächstgrößere Stadt. Einen Buchladen gibt es nicht, nur einen Zeitschriftenhandel mit Lotto-Stelle. Die wenigen Schüler der Gesamtschule beziehen ihr Schulzeug von einem Bürofachgeschäft, dass zufällig dem Bruder der Direktorin gehört. Tritt man aus diesem kleinen Stadtkern heraus, trifft man auf Wälder, einen Golfplatz und die beeindruckenden Meere von Raps- und Getreidefeldern, Kuhweiden und Pferdekoppeln.

Auf den großen Grünflächen und den vielen Gehegen trifft man meist auf Kühe, Schafe und Gänse. Gelegentlich kann man aber auch exotischere Genossen treffen, wie Lamas, Alpakas, Kängurus und dem ein oder anderen schrägen Großstadt-Vogel. Letztere fallen besonders auf, denn sie tragen außergewöhnliches Gefieder, unpassendes Fußwerk und beschweren sich schnatternd und lautstark über den miserablen Funkempfang. Ich bin zugegebenermaßen einer dieser Vögel geworden. Mit High Heels, Bowler und Rock steche ich hervor aus dieser Masse pensionierter Menschen, deren Garderobe lediglich im Farbspektrum zwischen khaki und ocker zu liegen scheint; den Landarbeitern, die sich anscheinend alle einheitlich in grünen und blauen Latzhosen kleiden. Schon höre ich sie tuscheln: „Das ist doch von der die Enkelin“, „Nu genau, das ist die Tochter von…“. Wie ein Lauffeuer verbreiten sich in dieser kleinen Stadt Neuigkeiten und Gerüchte. Ich vermute, dass meine Familie durch den rasanten Buschfunk bereits von meiner Ankunft weiß und schon mal den Kaffee ansetzt. Jeder kennt jeden und weiß über alles bescheid. Über die neu renovierte Küche, den verstorbenen Hund, die Zahn-OP. Geheimnisse scheint es keine zu geben.

Und trotz all dieser nervigen Aspekte liebe ich sie doch, meine Heimat. Denn wer als Kind von Pflaumenbäumen naschen, durch Wälder toben und Baumhäuser bauen, neugierig dem Imker bei seiner Arbeit zusehen und Felder über Felder als Fußballplatz nutzen konnte, der kann diesen Ort nur ins Herz schließen. Diese kleine grüne Welt gehörte uns Kindern. Und vielleicht dem einen gehörnten Bullen, der uns immer Respekt einflößend deutlich das Revier auf der Weide streitig machte.


storysamstag

Von mir gab es also diesmal eine zugegebenermaßen recht subjektive Beschreibung. Ihr könnt aber auch gern kreativer sein und vielleicht ein Elfchen oder einen Songtext verfassen. Vielleicht bekomme ich ja auch eine philosophische Abhandlung oder eine Analyse zur Frage „Was ist Heimat“?

Schreibt doch einfach mal drauf los und schaut, wohin euch der Text so trägt.

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Ich gebe ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren.

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