Seit langem bin ich schon auf der Suche nach dem Napfkuchen-Rezept meiner Kindheit: dem Kuchen meiner Großtante Käthe, der für süße Attacken immer in einem Küchenschrank vorzufinden war. Dieser Kuchen konnte über eine Woche in diesem Schrank stehen, ohne auszutrocknen oder an Geschmack zu verlieren. Kam Besuch, war Großtante Käthe immer auf alles vorbereitet. Und sobald sie sah, dass nur noch wenige Stücke verblieben, wurde wieder neuer Hefeteig angesetzt, der morgens mit dem Kaffee um die olfaktorische Vorherrschaft kämpfte.

Durch Zufall bin ich heute morgen in der großelterlichen Residenz auf ein in Sütterlin handgeschriebenes, vergilbtes Rezeptbuch gestoßen, dass eindeutig schon viele Kaffeeflecken und Mehlorgien in einer betriebsamen Küche überlebt zu haben scheint. Oma sagte nach meiner Nachfrage zu mir die magischen Worte „Das gehörte Käthe“. Ich blätterte also fieberhaft diesen kleinen wertvollen Schatz durch, den ich da unerwartet in den Händen hielt und stieß nach langem Suchen auf folgendes Rezept mit dem liebevollen Titel Müde Rosinen, welches ich als das lang gesuchte Rezept vermutete.

Müde Rosinen im Hefeteig

  • Zeit: einen gefühlten halben Tag
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Zutaten

Für den Hefeteig:

  • 100ml Milch
  • 30g Frischhefe
  • 400g Mehl
  • 100g Zucker
  • 3 Eigelb
  • 200g Butter
  • Abrieb einer Zitrone

Für die Füllung:

  • 80g Rosinen
  • 40g Zitronat
  • 40g Orangeat
  • 2-3 EL viel Rum (so schrieb Großtante Käthe)

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Anweisungen

Da Käthe nur wenige Stichpunkte hinterließ, half meine Oma – die Schwester von Käthe – mir dabei, das Rezept zu rekonstruieren. Hier die Backanleitung, wie sie mir heute mündlich überliefert wurde:

  1. Bereite aus den gegebenen Zutaten einen Hefeteig. Diesen mit den Händen (!) ordentlich bearbeiten und liebevoll massieren. Von dem ’neumod’schen Zeuch‘ wie Knethaken oder dergleichen wird abgeraten. ‚Deine Liebe zum Backen muss ind’n Teich nei, sonst schmeckts ne.‘ Den Teig nun für 60 bis 80 Minuten gehen lassen. Ja keine Hast, dieser Teig benötigt Ruhe und Entspannung, um sich voll zu entfalten.
  2. Man koste währenddessen intensiv den Rum und prüfe auf Geschmack, Qualität und Aroma. Dabei sollte man sich ruhig Zeit lassen und mehrere Schlucke probieren.
  3. Damit die Rosinen sich nicht benachteiligt fühlen, werden diese großzügig in den Rum eingelegt. Hier gilt: jeder Schluck für die Rosinen sollte auch anteilig an das Glas des Bäckers übergehen. Die beschwippsten Rosinen sollte man nun etwa eine Stunde Ruhe in ihrem Rum-Bad gönnen, damit sie sich ganz dem Müßiggang hingeben können. Damit sie sich besonders wohl fühlen, werden sie mit einem Tuch bedeckt.
  4. Den Hefeteig aus seinem Nickerchen wecken und nochmals ordentlich durchkneten, dann auf einem bemehlten Brett zu einer etwa 30x40cm großen Platte ausrollen.
  5. Die alkoholisierten Rosinen bekommen nun bunte Freunde: Das Orangeat und Zitronat untermischen und diese illustre Gesellschaft gleichmäßig auf der Teigplatte verteilen.
  6. Damit die Rosinen nicht lang frieren, wird die Platte eingerollt und diese Rolle in die eingefettete Napfkuchenform gelegt. In der Form dürfen die Rosinen im ‚Schlafsack‘ dann nochmals mindestens 45 Minuten verweilen. Mit Tuch über der Form schläft es sich besser.
  7. Bei 180°C Ober- und Unterhitze wird der Kuchen nun für eine weitere Stunde auf der untersten Ebene gebacken.
  8. Man serviere die müden Rosinen im Hefeteig mit Puderzucker bestreut. Passt aber auch super gut zu einer Kugel Vanilleeis.

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