Hat sich dein Leseverhalten durch die fortschreitende Digitalisierung verändert?

Oho, Buchfresserchen: Sehr schöne Frage, die ich für mich erst einmal genauer analysieren musste. Es geht hier ja nicht um das Kaufverhalten, also um das Medium E-Book, sondern um das Lesen im digitalen Zeitalter. Darüber könnte ich jetzt liebend gern eine kleine Abhandlung schreiben, die Worte wie Contentmanagement und Schubrings Web Strategy Pyramid enthalten. Ich sitze jedoch noch bequem beim Kaffee und habe keine Lust , mein Hirn in einen pseudointellektuellen Informatiker-Modus zu versetzen, der euch sowieso nur langweilen würde. Ich breche es also mal auf meine eigenen Erfahrungen herunter:

Ich bin aufgrund meiner Kindheit in den 90ern, in der die Digitalisierung richtig Fahrt aufgenommen hat, ein ‚Digital Native‘ und habe nur wenige Jahre lang den Umstand gekannt, dass man Bücher und Zeitungen eben NUR in Papierform findet.

Während ich vor ein paar Jahren noch deutlich häufiger in eine Zeitung geschaut habe, findet bei mir das morgendliche Nachrichten lesen nur noch digital statt. Dort wird, angesichts der Fülle an Informationen, nur noch der Titel gelesen und bei einer interessanten Schlagzeile eventuell auch der Artikel überflogen. Dieser eher sprunghafte Konzentrationsfokus ist mir mittlerweile jedoch regelrecht antrainiert. Schließlich wird täglich schnell von Seite zu Seite geklickt, um eine große Masse an Informationen aufzunehmen. Das E-Book machte es mir plötzlich also möglich, nicht nur zu lesen, sondern auch schnell mal in meine E_Mails zu springen. Da man durch nur ein Gerät nun viele Eindrucksmöglichkeiten hat, ist man deutlich abgelenkter.

Für mich ist das Lesen aber immer noch ein Rückzugsort. Egal ob ich nun in einem Paperback oder auf meinem E-Reader schmöker, wenn ich lese, dann lese ich. Vor allem, wenn ich vor dem Schlafen gehen ein (E-)Buch zur Hand nehme, versinke ich im Lesefluss. Das einzige, was sich für mich verändert haben mag ist die Geschwindigkeit, mit der ich Bücher abbreche. Wenn ich in der Zeit, bevor ich in den Besitz eines Ereaders kam, in der Bahn saß und nur ein Buch mit hatte, habe ich dieses Buch weiter gelesen, egal ob es mich nun gefesselt hat, oder nicht. Hauptsache ich hatte irgendwas zu lesen. Durch E-Reader, mit dem ich eine halbe Bibliothek in der Tasche habe, ist das jetzt anders. Prinzipiell habe ich aber auch vor den E-Book-Zeiten viele Bücher abgebrochen und einfach ungelesen wieder in die Bibliothek gebracht.

Interessant ist jetzt allerdings, dass nun auch für einen Obolus die Autoren über Amazon erfahren, wenn ein Buch von einer Vielzahl von Lesern abgebrochen wurde. Das setzt natürlich auch die Schreiberlinge unter Druck. Ständig muss heute also eine neue Sensation her, die den Leser bei der Stange hält. Andererseits ist es durch Wattpad und Co. ein leichtes, ein Buch online zu veröffentlichen. Der Markt wird quasi täglich überschwemmt von neuen Autoren, die teilweise wahre Perlen, oftmals aber noch sehr dürftige Literatur abliefern. Mich würde deswegen einmal interessieren, ob die Digitalisierung auch eine Auswirkung auf die Qualität der aktuellen Literatur hat.

Aber das war gar nicht mehr die Frage, oder?

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