All meine Freunde sind schon in langjährigen Beziehungen. Meine Eltern fragen mehr oder weniger subtil, ob sie denn irgendwann mal ein Enkelchen bekommen. Die Kollegen reden von ihren Kindern und dem Familienausflug nach Disney-World. Alle Menschen um mich herum scheinen momentan mit ihrem Partnerstatus super glücklich zu sein.

Und ich? Ich auch!  Denn oh, wie schön ist doch das Single-Leben! 

Und das ist jetzt keinesfalls sarkastisch gemeint. Ich koste im Moment meinen Beziehungsstatus voll aus und erfreue mich an all seinen Vorteilen. Um Tinder, Parship und eDarling mache ich momentan einen großen Bogen. Denn überraschenderweise gibt es tatsächlich noch die Momente, in denen man von fremden Menschen spontan zu einem Kaffee oder Cocktail eingeladen wird. Anscheinend ist die Courage zum spontanen Flirt noch nicht ausgestorben!

Dates geben mir gute Gründe, mir neue Schuhe und das passende Outfit dazu zu kaufen. Ich habe zudem einen Vorwand, mir mal wieder ein volles Beauty- und Wellness-Paket zu gönnen. Ich habe vorrangig mein Bett für mich allein und niemanden, der mir unangenehm in den Nacken atmet oder in der Hitze zu nah an meinen sowieso schon schwitzenden Körper heran rutscht. Niemand muss sich an meine Koch- und Ernährungsexperimente anpassen und rümpft abwertend die Nase bei Spinat-Kiwi-Smoothies. Ich kann ständig neue Dinge ausprobieren und meine Zeit frei einplanen, ohne Rücksicht auf einen Partner nehmen zu müssen, der sich darüber beschwert, dass ich ihn vernachlässige. Ich habe viel vor und keine Lust, für einen Partner komplizierte Kompromisse zu schließen. Meine Unabhängigkeit gibt mir die Möglichkeit selbst zu wählen, wie ich meinen Alltag bestimme. Und diese Freiheit werde ich genießen, so lang, bis vielleicht doch einmal ein kompatibler Mensch an mir kleben bleibt.

Natürlich sind mit dieser Freiheit auch Pflichten verbunden und Dinge, die man einfach nicht haben kann. Massagen zum Beispiel. Oder ein wie von Zauberhand gedeckter Frühstückstisch.  Zum Glück fällt diese Liste mit Einschränkungen jedoch dank Emanzipation relativ kurz aus. Eine Mittzwanzigerin im 21. Jahrhundert ist ja keine Jungfer in Nöten. Seit meinem 23. Lebensjahr besitze ich nämlich einen Hochleistungs-Akkubohrschrauber und bringe mit viel Geschick meine Bücherregale selbst an die Wand. Haltet mich jedoch bitte nicht für eine dieser Hardcore-Emanzen: Ich will nicht behaupten, dass ein Partner überflüssig ist! Irgendjemand muss ja die Leiter halten.

Seit einigen Wochen ist mir jedoch ein unangenehmer Trend aufgefallen, an dem ich und die anderen wenigen Singles in meinen Kreisen leiden: Die vor kurzem noch fröhlich freien Partys, die bis zum Morgengrauen gingen, mutieren nun wegen der pflichtbewussten Früh-nach-Haus-Gehern zu zahmen Veranstaltungen, die spätestens 23°° Uhr schon enden. Viele junge Eltern und Pärchen stecken plötzlich richtig tief in der Abhängigkeit und ihren Pflichten. Das verdirbt einen glatt den Spaß. Vor allem, wenn sich die Gespräche über kurz oder lang immer wieder um pädagogisch wertvolles Öko-Kinderspielzeug drehen.

Vielleicht wäre es also ratsam, sich doch mal eine bessere Hälfte zuzulegen. Die kann dann mit mir bis zum Sonnenaufgang weiter feiern, während die jungen Mütter und Väter Windeln wechseln.

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