Ich habe ein neues Hobby: den Mitmachblog stalken. Obwohl: kann man beim sofortigen Lesen veröffentlichter Artikel von Stalken reden? Auf jeden Fall ist es eine Art Fanatismus. Und der beflügelt!

Obwohl ich kein offizielles Mitglied der Mitmach-Redaktion bin, habe ich auch einen kleinen Beitrag zum Thema ‚Immer diese Technik‘, einfach weil es zu einer kleinen Anekdote aus meinem Leben passt, die mir erst vor wenigen Tagen passiert ist:

Sonntag

9:30 Uhr: Ich komme gerade vom Joggen, schiebe mir die Bluetooth Kopfhörer vom Ohr, die mir von meinem Smartphone rhythmische Spotify- Klänge übermitteln. Ich schaue noch fix auf die App, die meinen Lauf aufzeichnete und drücke genervt die penetrante Werbung weg, die mir pünktlich alle 10 Minuten ein Premium-Abo vorschlägt. Mit einem Knopfdruck auf den vorbereiteten halbautomatischen Siebträger tröpfelt mit perfekter Brühtemperatur ein grüner Tee in die Tasse. Mit einer Fernbedienung wird das Radio angeschaltet, um die nächsten Nachrichten nicht zu verpassen. Während ich Tee trinke und am Laptop arbeite, höre ich 90er Hits, viel Werbung, eine Menge Gerede über Fußball und Brexit.

9:43 Uhr:  Mein Smartphone klingelt. Das Thema von James Bond. Sollte ich auch mal wieder wechseln, die Veröffentlichung von ‚Spectre‘ ist schließlich schon 8 Monate her. Ich nehme ab und versuche, während ich mich unterhalte, mit der Fernbedienung das Radio auszuschalten. So sehr ich auch drücke, eine entsprechende Reaktion bleibt aus. Ich stehe auf und gehe die drei Schritte, um am richtigen Schalter zu drehen.

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10:04 Uhr: Ich verabrede mich zum Schwimmen, Sonnenbaden und heiterer Geselligkeit.
„Und bring doch bitte dein kleines Radio mit? Und was von Pink Floyd! Kannst du’s glauben, A. kennt Pink Floyd nicht!“
Ich bin aufgrund dieser musikalischen Bildungslücke erschüttert und mache es mir zur Aufgabe, dieses Problem zu revidieren. Ich verspreche, entsprechend zu packen und überlege, wo dieses Mini-Radio ist. Dieser Würfel von 5x5x5 cm muss ja irgendwo zu finden sein.
„Super! Wir sind so gegen 11 da. Bis später!“

10:19 Uhr: Tee kalt. Dafür aber endlich dieses vermaledeite Radio gefunden. Ich schalte es ein. Kein Laut. Akku leer. Ich gehe auf die Suche nach einem passenden Kabel.

10:24 Uhr: Überraschend schnell Kabel gefunden. Ich schließe an. Radio läd! SIEG! Da muss ich ja nur schnell noch Badetasche packen und auf gehts.

10:48 Uhr: Während ich meine Badekleidung anziehe fällt mir ein, dass mein Plan, einfach mit einem AUX-Kabel mein Smartphone an das Mini-Radio anzuschließen, um per Spotify Pink Floyds ‚The Wall‘ abzuspielen, nicht funktionieren wird. Unser Treffpunkt ist nämlich eine miese Zone für Handy-, geschweige denn LTE-Empfang.

10:50 Uhr: Ich greife zum Smartphone um in der nicht mal 30 Minuten alten ‚It’s summer, bitches!HellYEAH! – Gruppe eine Whats-App-Nachricht zu schreiben.
„Ich komme etwas später!“
Außerdem lese ich mir fleißig die bisher geschriebenen Nachrichten der 5 anderen Gruppenmitglieder durch, um nichts wichtiges zu verpassen. Einige sind durchaus relevant. Viele bestehen aus einer Aneinanderreihung von Smilies. Außerdem ein Selfie von einer Freundin mit einer billigen Plaste-Sonnenbrille mit Palmen und Flamingos, sowie ein Video von David Hasselhoffs ‚LimboDance‘.

11:02 Uhr: Was wollte ich? Ach ja, Pink Floyd. Ich löse mich vom Smartphone und fahre meinen Pc hoch, auf dem der Großteil meiner digitalen Musiksammlung zu finden ist. Meine extensive Sammlung hat eigentlich alles zu bieten, da meine ‚Kommandozentrale‘ das Herz meiner Wohnung ist; der Ort, an dem ich zu Hause aufgrund meiner Profession und meiner Hobbies Internet und Prokastination die meiste Zeit verbringe.

Fehlanzeige, kein Pink Floyd.

Kann doch garnicht sein, ‚The Wall‘ höre ich doch immer hoch und ru… ach ja. Als Schallplatte. Diese flachen schwarzen Dinger kennt ihr doch vielleicht noch, oder? Naja, macht nichts. Ich hab ja alles an Technik! Wäre doch gelacht, das nicht auf die SD-Karte fürs Mini-Radio zu bekommen. Mein Ehrgeiz, A. mit ‚Another Brick in the Wall‘ zu beschallen wird angespornt von der neuen Challenge, mich von dem kleinen Hindernis des falschen Mediums nicht einschüchtern zu lassen.

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Die Kommandozentrale

12:17 Uhr: Die Gesamtlänge der Doppel-LP mit seinen 4 Seiten beläuft sich auf 1:35 Stunden. Um die LP zu digitalisieren, muss ich jeden Titel in voller Länge abspielen, damit das Radio für mich den Rest erledigt und die Audio-Dateien auf einen angeschlossenen USB-Stick für mich abspeichert. Die vierte Seite lasse ich weg, weil ich verdammt noch mal endlich los will. Während der Wartezeit habe ich mir mit Facebook und tumblr die Zeit vertrieben und Pink Floyd gelauscht. Ich tröste mich damit, dass ich dadurch die schlimmste Mittagshitze umgehen sowie meinen Ventilator noch etwas genießen kann und das kleine Radio ja sowieso nach am Akku hängt.

12:18 Uhr: Der USB-Stick hängt am Laptop. Musik ist drauf. Na geht doch! Jetzt nur noch auf die SD-Karte und… Ach menno! Wo ist denn jetzt wieder dieser Adapter von Mikro-SD zu SDHC?

12:33 Uhr: Adapter gefunden. Euphorisch und meinem Ziel nahe schiebe ich die Karte in den passenden Slot.

Karte wurde nicht erkannt. 

Ich spüre, wie mir ein Augenlid zuckt.

Dunkel erinnere ich mich daran, dass mir das Radio die letzte exzessive Pool-Party womöglich etwas übel genommen hat. Aber was solls, an Technik, namentlich SD-Karten, mangelt es mir zum Glück nicht.

12:49 Uhr: Endlich! Ich verlasse das Haus mit der Genugtuung, den hinterhältigen Tricks der Technik nicht zum Opfer gefallen zu sein. Nur dass ich 2 Stunden später als geplant kam, musste ich erstmal meinen Leuten erklären.

14:33 Uhr: A. findet Pink Floyd doof und will lieber was von Seeed hören. Musikbanause.

Und die Moral von der Geschichte?

Technik kann uns gleichermaßen helfen, als auch behindern. Sie ist derweilen praktisch und macht viel möglich. Aber nur, wenn man sich nicht an der gestohlenen Lebenszeit und den verlorenen letzten Nerven stört.

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