Da dachte ich, mit meinem Fauxdori-Filo-X17-Hybriden (okay, am Namen muss ich definitiv noch arbeiten) habe ich seit 2 Jahren endlich den Planerfrieden erreicht. Doch plötzlich kam da die msmedlock mit einem Kommentar daher und verwies mich auf ein System, dass sich der talentierte Designer Ryder Caroll erdachte: Das Bullet Journaling.

 

Ich erkläre es gern nochmal kurz: Ihr schreibt alles, was euch tagtäglich so bewegt in euer Notizbuch. Es gibt Zeichen, die euch dabei helfen können, schnell zu überblicken, ob es sich bei einem Eintrag um einen Termin, eine Notiz oder eine noch zu erledigende Aufgabe handelt. Wie diese Zeichen aussehen, bestimmt ihr selbst. Diesen ‚Dailys‘ vorangestellt, könnt ihr in einer Monatsübersicht die wichtigsten Termine eintragen, die anfallen. Damit ihr im gesamten Buch nicht das Chaos verliert, hilft euch eine Index-Seite, wichtige Listen und Notizen schnell wieder zu finden.

Diese drei Punkte sind jedoch nur die Basis. Der Kreativität sind beim Anpassen keine Grenzen gesetzt. Viele haben zum Beispiel zu wenig Aufgaben für eine ‚Daily‘-Seite und richten sich deswegen eine Doppelseite für eine Woche ein. Ich habe zum Beispiel nicht mit der Listenansicht für die Monate arbeiten können, weil ich in Wochen denke, und habe mir stattdessen ein kleines Kalenderlayout skizziert.

Ein Beispiel: ich habe mir vorgenommen, täglich etwas zuhause sauber zu machen. Ich bin zwar nicht die ordentlichste, aber zumindest auf Hygiene lege ich viel Wert. Also sehe ich flott in den Index: meinen Putzplan finde ich auf Seite 12. Dort sagt mir mein Plan, heute wäre mal das Bad dran. Das schreibe ich mir den Abend zuvor als Aufgabe neben all meinen anderen Pflichten in meinen Tagesablauf. Der Tag bricht an, ich arbeite überraschend produktiv meine vorgenommenen Aufgaben ab. Abends setze ich mich dann wieder vor mein Bujo und wenn ich befriedigt feststelle, dass ich das Bad geputzt habe, male ich mir als kleine Belohnung an diesem Tag ein kleines buntes Kästchen in die ‚Putzen‘-Spalte. Der Tracker ist jetzt nicht obligatorisch für das System, sondern habe ich für mich selbst etabliert. Eine neue Angewohnheit in den Alltag einzubinden, oder eine alte abzulegen benötigt für gewöhnlich 3 Monate. Dadurch, dass ich jeden Tag diese kleine Tabelle ausfülle, erinnere ich mich täglich daran. Es spornt mich an, diese Seite schön bunt zu sehen, weswegen ich mich besonders bemühe, meine neuen Angwohnheiten durchzuhalten.

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Bei der Monatsübersicht habe ich alle wichtigen Termine auf einen Blick. Daneben sind monatliche To-Dos, die ich an ‚fauleren‘ Tagen versuche, abzuarbeiten.

Jetzt könnten Kritikerstimmen natürlich einwerfen: Wenn man effizient und produktiv arbeiten möchte, ist es da nicht widersprüchlich, seine Zeit damit zu verschwenden, selber Linien für einen Index zu ziehen und jeden Tag per Hand Daten einzutragen? Ist das in Zeiten der digitalisierten Kalender nicht obsolet?

Meine Antwort dazu: Stimmt. Es mag am Anfang etwas zeitraubend sein, das ganze System nach seinen Wünschen aufzusetzen. Wenn man den Dreh aber einmal raus hat, arbeitet man um so produktiver. Es hat seinen Reiz, schnell mal etwas nieder zuschreiben, dass einem im Kopf herum fleucht. Das Bullet Journal ist für mich nicht nur Agenda, sondern gleichzeitig Tagebuch, Finanzüberblick, Fitnesstracker und kreatives Outlet. Zeigt mir mal eine App, die das alles kann. Was vorher zudem  in drei Büchern untergebracht war, trage ich jetzt nur noch in einem kleinen A5-Büchlein mit mir herum. Mein Rücken freut sich, dass mein altes Kalender-‚Moppelchen‘ nun nicht mehr täglich meine Handtasche beschwert. Außerdem hat die abendliche Routine, meine erledigten Aufgaben abzuhaken und meine Planung für den nächsten Tag vorzubereiten etwas meditatives, bei dem meine lauten Gedanken mal zur Ruhe kommen.

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Seht ihr, wie meine Gewichtstatistik runter gegangen ist? Bin ganz stolz auf mich. 🙂 Außerdem zu sehen: Future Log nach Alastair und eine meiner zahlreichen Collections.

Mein innerer Listenschreiber frohlockt, der Chaot in mir ist durch die recht freie Benutzung entzückt und doch gezähmt und mein Schweinehund wird ordentlich auf Trap gehalten.

Minimalismus kommt ganz groß raus

Eine riesige Community, die sich quer durch Facebook, Instagram, Pinterest, Youtube, tumblr und in der Blogosphäre herumtummelt, diskutiert täglich über für das Bullet Journaling wichtige Fragen und etabliert neue Ideen für optimales Planen: Wie finde ich mich im BuJo zurecht? Welches Layout ist effektiv? Wie kann man das BuJo für Putzplan, Sportplan, Sparplan, etc. nutzen? Lieber kreativ oder doch minimalistisch? Arbeiten mit Calendex, Spiraldex, Time-Ladder, …? Sind Tracker sinnvoll? Wie kann ich farbcodieren? Kurz und gut: Wie hole ich für mich das Beste aus dem System heraus?

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Bullet-Journaling hat bei mir 2 Extreme: Tagesübersichten die man kaum lesen kann oder hübsche Seiten mit Zitaten und Doodles.

Ich stehe zwar noch ganz am Anfang, kann aber jetzt schon bestätigen, dass ich durch das Bullet-Journaling produktiver, organisierter und sogar kreativer geworden bin. Ich habe für mich selber ein System entwickelt, dass wirklich funktioniert und all meine Aktivitäten unter einen Hut bekommt, gleichzeitig aber noch meine Finanzen, meine Ernährung, Blogideen, meine Sportplanung und meine Lese- und Seriensucht protokolliert. Ich bin gespannt, wie lang ich diesem System treu bleibe.

Wie genau ich das Bullet Journaling für mich optimiert habe, erzähle ich den Neugierigen gerne einmal in einem anderen Beitrag. Ich kann euch aber auch gerne etwas über minimalistisches Leben, Entrümpeln nach Konmari-Methode oder ‚GTD‘ – Getting Things Done – erzählen. Wir ihr merkt bin ich momentan nämlich voll im Optimierungs-Rausch.

Gibt es BuJo-Nutzer unter euch? Was gefällt und missfällt euch an dem System? 

Ich benutze:

Das gepunktete Notizbuch in A5 von der Marke Leuchtturm1917
Den radierbaren  Tintenroller Frixion Ball, Strichstärke 0.7 mm, schwarz
Die Pastelltöne der Zebra MildLiner zum Markieren
Die praktischen Pilot Frixion Colors  zum colorieren

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