Defekt! Das Asperger Syndrom ist kein Defekt! Es ist eine Variante des Möglichen, vielleicht sogar ein erheblicher Vorteil. Das Asperger Syndrom ist mit hoher Organisations- und Konzentrationsfähigkeit, innovativer Denkweise und rationaler Distanziertheit verbunden.

  • Autor: Graeme Simsion
  • Titel: Das Rosie-Projekt
  • Originaltitel: The Rosie Project
  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 11 (23. Dezember 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3810519510
  • ISBN-13: 978-3810519511
  • Genre: Belletristik / Romantische Komödie

 

Zusammenfassung (lt. Amazon): Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist.
Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Review: 

Aufgrund des Klappentextes habe ich hinter dem Rosie-Projekt eine seichte romantische Komödie vermutet, die in der Filmversion vermutlich mit Adam Sandler und Drew Barrymore besetzt wäre. Ich wurde eines besseren belehrt und war positiv überrascht: Dieses Buch hat Tiefgang. Simsion hat es geschafft, seine Hauptfigur Don als rational denkend, aber trotzdem nicht gefühlskalt zu beschreiben. Es liest sich authentisch und realitätsnah. Entweder hat der Autor selbst Erfahrungen mit dem Asperger-Syndrom, oder aber sehr gut recherchiert. Ich selbst kenne zwar niemanden mit Asperger, jedoch mit Zwangsneurosen, und erkannte viele Symptome wieder, die hervorragend geschrieben waren. Durch die Persönlichkeit Dons ist es keine typische Schmonzette, sondern eine Liebesgeschichte geworden, die sicher auch die Männerwelt anspricht.

Angetan war ich zudem von den Nebencharakteren: Viele mögen vielleicht sagen, dass die anderen Figuren vernachlässigt wurden. Da sie jedoch alle aus der Sicht von Don dargestellt werden, sollte nicht vergessen werden, dass er seine Mitmenschen aus einer völlig anderen Perspektive sieht. Anstatt beschreibende Begriffe wie ’sympathischer Blick‘ oder ‚gemütliche Figur‘ zu benutzen, liest man von sachlichen Fakten wie BMI, Haarfarbe, Größe und Kleidungsstil. Für Don sind viele Manierismen nicht nachvollziehbar und ich war beeindruckt, dass das auch bei mir als Leser so rüber kam.

Zur Geschichte selbst: Obwohl es für mich teilweise in lächerlichen Slapstick-Humor abzurutschen drohte, so hatte die Geschichte insgesamt viel Charme, Unterhaltungswert und wissenswerte Aha-Momente. Teilweise bekommt man Mitleid für Don, der oftmals für unfreiwillige Komik sorgt. Jedoch schafft es Simsion zu zeigen, dass Don echte Freunde hat, die sich jeder Zeit für ihn einsetzen würden. Man erlebt die Wandlung, die in Don vorgeht und ihn Stück für Stück näher zu Rosie bringt. Die Geschichte ist zwar zu keiner Zeit langweilig und liest sich flott weg, so richtig Spannung kommt allerdings auch nicht auf.

Das Rosie-Projekt ist humorvolle Wohlfühllektüre, die einen grandios herausgearbeiteten Protagonisten in sich birgt. Diese Liebesgeschichte ist keine typische Romanze und auch für den männlichen Leser ein unterhaltsames Lesevergnügen.

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