Ich bin zurück! Ich habe Fotos und gute Laune mitgebracht. Und da ich ja auch einen Bildungsauftrag habe, möchte ich euch gleich noch ein paar Informationen ins Unterbewusstsein schmuggeln, die ihr vielleicht einmal gebrauchen könnt. 

Wie Nessi zur Legende wurde

Wenn man Schottland hört, denkt man vermutlich erst einmal an Schottenröcke, Haggis und das Monster, welches angeblich in einem See hausen soll. Es gibt über 1000 Augenzeugenberichte, die behaupten, dass langhalsige Wesen im Loch Ness gesehen zu haben.  Deswegen versuchen Wissenschaftler durch U-Boot-Tauchgänge, Sonarmessungen und Wellenmusteranalysen schon seit Jahrhunderten, dem Mythos auf den Grund zu gehen. Manche Berichte vom Erscheinungsbild des Monsters, einschließlich der historischen Berichte, weisen auf eine Ähnlichkeit zum ausgestorbenen Plesiosaurus hin. Da der See jedoch zu tief ist, als dass man ihn komplett untersuchen könnte, bleibt der Mythos um Nessi bestehen. Der Südwassersee Ness im schottischen Hochland ist jedoch ein Anblick, den man trotz Abwesenheit des Ungeheuers geniesen kann.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wie ein Schotte Kilt trägt

Quelle

Ich hatte das Glück, mir mal von einem trachtentragenden Edinburgher erklären zu lassen, was genau bei der traditionellen Kilt-Tracht zu beachten ist. Da wäre zum einen natürlich der Kilt selber, der mindestens so lang sein sollte, dass er nicht den Boden berührt, wenn der Träger sich hinkniet. Ein Gürtel hält das ganze straff auf der Hüfte. Der Sporran – eine kleine Tasche, enthält alle wichtigen Utensilien. Früher war das etwa ein kleines Messer oder eine Pfeife mit Stopfzeug. Heute sind es eher Zigaretten, Handy und Autoschlüssel. Der Sporran sorgt mit seinem Gewicht außerdem dafür, dass der Kilt bei Wind nicht hochflattert und Dinge zeigt, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Denn ja, der traditionelle Schotte trägt tatsächlich nichts drunter. Am Kilt angebracht wird außerdem ein Kilt-Pin – eine schwere Brosche, die den Kilt schließt und durch sein Gewicht den Kilt trotz Wind an Ort und Stelle hängen lässt. Die Kilt Hoses – dicke Socken aus Schafswolle – werden durch ein Strumpfband gehalten, die mit kleinen Flaggen in der selben Farbe des Kiltes geschmückt sind. Unter Freunden kann man im Socken einen Dolch stecken haben. Bei einem Treffen mit Feinden wurde dies allerdings unterlassen, da es böswilliges Verhalten suggerierte. Zu diesem ganzen Ensemble trägt der moderne Schotte Jacket. Übrigens hat jeder Clan  – von denen es weit über 100 gibt – sein eigenes Webmuster.

Fragst du, was der Schotte drunter trägt, so schlägt er dir ein Rad.

Was die Schotten essen

Zu behaupten die Schotten würden sich nur von Haggis, Porridge und Black Pudding ernähren, wäre wie zu glauben, dass der Deutsche nur von Bier, Weißwurst und Kartoffelsalat lebt. Wenn man den gemeinen Schotten einmal fragt, was er so isst, wird man überrascht sein: es gibt viel Fisch. Cod – zu Deutsch Kabeljau – gibt es in den vielen Seegebieten rund um Schottland in großen Mengen. Manch einer verbringt den Angelurlaub im schottischen Highland und kommt mit Wildforellen und Lachsen zurück.

Ansonsten gibt es das typische britische Essen: British Breakfast mit Eieren, Baked Beans, Speck und Würstchen. Fish&Chips. Und Marmite – eine sirupartige Paste, die nach Maggi-Würze schmeckt und morgens aufs Brot geschmiert wird. Das war echt nicht meins. Haggis und Black Pudding dagegen haben mich im Geschmack positiv überrascht.

Wie die Schotten um Unabhängigkeit kämpften

Ich werde jetzt keine lange historische Abhandlung schreiben. Stattdessen verweise ich auf den etwas unterhaltsameren Geschichtsunterricht: Filme wie Rob Roy oder Braveheart  und die Serie Outlander geben einen guten Eindruck davon, wie hart Schottland immer wieder versuchte, dem britischen Regime Paroli zu bieten. Auch heute noch gibt es viele Befürworter für die Unabhängigkeit Schottlands. Neben einer schottischen Selbstbestimmung, könnte man zudem die englischen Atomwaffen aus Schottland verbannen. Aus einer Unabhängigkeit würde auch die selbstständige Verwaltung der Einnahmen aus der Ölförderung resultieren, dessen Einnahmen nach wie vor nach London fließen. Im Referendum von 2014 stimmten knapp die Hälfte der Schotten jedoch gegen eine Unabhängigkeit. Es bleibt spannend, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was ein Einhorn im Wappen zu suchen hat

Vermutlich dachte man sich vor ein paar Jahrhunderten: Löwen und Adler kann ja jeder. Die Clan-Oberhäupter diskutierten lange und intensiv, welches Tier am ehesten den schottischen Eigenschaften entsprach und ab sofort das Wappen zieren sollte. Ein stolzes, starkes Tier sollte es sein, dass zugleich die reine und wilde Natur des Landes widerspiegelte. In der normalen Tierwelt wurden sie anscheinend nicht fündig und entschieden sich für ein Fabelwesen, dass man in den Highlands angeblich neben Feen und Kobolden gelegentlich zu Gesicht bekam. Seit dem 12. Jahrhundert gilt deswegen das Einhorn als Heldensymbol und war sogar auf den Umhang des schottischen Nationalhelden William I.  gestickt. Das gehörnte Tier für Unschuld und Reinheit wird oftmals angekettet dargestellt, da nur Jungfrauen genügend Macht besitzen, das mächtige Einhorn zu zähmen. Das glaubte man zumindest im mittelalterlichen Schottland. Ich denke, der Whisky war nicht ganz unschuldig bei dieser Entscheidung.

Warum dem schottischen Whisky das ‚e‘ fehlt

Natürlich hatte ich auch die Chance, einmal den typischen Whisky – und nicht etwa Whiskey – zu kosten. Böse Zungen behaupten, dem Whisky würde das ‚e‘ fehlen, weil die Schotten so geizig sind. Im Allgemeinen gibt es viele Witze über die Knauserigkeit der schottischen Einwohner. Die nehmen’s aber mit Humor. Im Gegenteil habe ich sie als freigiebiges und freundliches Volk kennen gelernt. Ihre Witze sind jedoch etwas speziell und stehen dem schwarzen Humor der Engländer in nichts nach.

Ein Schotte möchte eine  Anzeige anlässlich des Todes seiner Ehefrau aufgeben. Die Dame in der Anzeigenannahme fragt ihn nach dem Text.
Er sagt: „Schreiben Sie: ‚Mary ist tot.'“
Die Dame weist ihn darauf hin, dass das doch wohl etwas wenig ist und dass er noch 3 Worte für den gleichen Preis frei hat.
Der Schotte überlegt kurz und sagt dann: „Mary ist tot. Auto zu verkaufen.'“

Wie ich Schottland lieben lernte

Schottland steckt voller Gegensätze: Während man in den Highlands höchstens auf Schafe oder Hochlandrinder trifft, so stolpert man dagegen in Glasgow an jeder Ecke über einen Straßenkünstler oder einen der unzähligen Partygänger. Man kann morgens noch am Strand spazieren und den Wellen bei ihrem ewigen Treiben zusehen und mittags in den Bergen wandern oder Naturschutzgebieten Ski fahren, um abends dann in einem Ohrensessel bei Kaminlicht ein Guinness oder einen Cider trinken. Die Schotten haben zudem ein Auge für Ästhetik und Schönheit: hier muss sich die Natur nicht unterordnen. Stattdessen wird versucht, die Architektur so anzupassen, dass es sich nahtlos in die Hochlandumgebung anpasst. Die Menschen sind ausgeglichen und bringen eine entspannte Attitüde an den Tag, die ich hier in Deutschland leider vermisse.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dort meinen Lebensabend zu verbringen. Ich kaufe mir ein Stückchen Land in Glen Coe (wo auch das Elternhaus von James Bond stand), bekomme damit den Titel einer Lady und baue mir ein kleines, schnuckeliges Mansion an einem Ness. Klingt doch ganz gemütlich, oder?

Advertisements