Ich gebe es an dieser Stelle zu: Ich bin ein Büroartikel-Junkie. Stifte, Ordner, Papier aller Art, Organisationshelfer, Stempel, Sticker, Heftchen, Notizbücher, … Ich denke, dass diese seltsame Affinität bei mir mit einem Charakterzug einher geht: ich bin chaotisch, vergesslich und unorganisiert. All diese kleinen Helferlein, die sich auf meinem Schreibtisch tummeln geben mir zumindest halbwegs das Gefühl, organisiert und diszipliniert zu sein. 

Es ging schon in der Schule mit dem Hausaufgabenheft los. „Ach, ich muss mir das nicht aufschreiben. Das merk ich mir!“ und siehe da: Matheaufgaben nicht gemacht. Zum Glück ist es ein universelles Ritual, in der Pause vorher die Hausaufgaben voneinander abzuschreiben. Das ging ungefähr bis zum Abitur gut. Dann habe ich mich auf die Socken gemacht, und musste mir wirklich langsam was einfallen lassen, wie ich meinem Chaos Paroli bieten sollte. Ich probierte etliche auf dem Markt erhältliche Systeme. Sobald sich der Jahreswechsel näherte schnupperte ich schon wieder stundenlang im Bürowarengeschäft, während meine Mama nach Schuhen shoppte.

Aber irgendwie war nie die richtige Lösung für mich dabei. Ich probierte es mit einfachen Planern, mit den großen Namen wie Filofax und Moleskine. Aber irgendwie wollte kein System richtig zu mir passen. Ich wollte einen Plan, der mir eine Richtung weißt, mich aber in meiner Kreativität nicht begrenzt: genug Platz für Planung, aber ein großer Notizteil dazu. Geradlinig, ohne groß zu heften und zu kleben. Stabil und wo eventuelle Zettelchen nicht raus fallen können. Mit kleinen Taschen, in denen Post-Its und Briefmarken Platz finden. Wenn möglich mit Quartalsübersichten. Und Stiftlasche sowieso. Ich wollte eine eierlegende Wollmilchsau in Kalenderform. Ihr seht mein Dilemma.

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Irgendwann dachte ich mir dann: „Ja küsst mich doch auf meinen Prachtpopo!“ Es sollte nicht all zu teuer sein und ich wollte nicht ständig irgendwelche Einlegeblätter nachkaufen und mich so von einem Organisationssystem abhängig machen. Man kann sich natürlich hinsetzen und für all diese Systeme selber was basteln aber das wäre destruktiv: Ich will ja Zeit sparen und nicht beim Basteln draufgehen lassen.

Zur Entstehungsgeschichte:

  • Ich bekam einmal von der liebsten Mami der Welt einen Filofax-Organizer, über den ich was die Personalisierung und Verarbeitung betrifft, immer noch begeistert bin. Es stellte sich aber schnell heraus, dass sich eine Ringbuchbindung und ein Linkshänder nicht wirklich gut vertragen. Der meiste Platz der rechten Seite konnte einfach nicht genutzt werden.
  • Dann stieß ich zu meiner größten Freude auf X17. Ein Notizbuch mit austauschbaren Heften? Grandios. Leider fand ich dort die mitgelieferten Kalender-Möglichkeiten aber nicht so pralle. Außerdem fehlten mir die Einstecktaschen, die ich jetzt gewohnt war. Zudem wollte ich nach Filofax ja weg von den Einlegeblättern und der Abhängigkeit zu einer Firma. Prinzipiell aber ein richtig grandioses System. So grandios, dass Herlitz es klaut. Es geht ganz schön kriminell zu in der Papier-Szene. In Japan gibt es auch das Midori-System aber hier war ebenfalls das Problem: für viel Geld ständig Einleger nachkaufen? Nö.
  • Und dann fand ich eher durch Zufall den Kalender meiner Begierden: das Week-View System. Dort war zwar schon ein kleiner Notizteil drin, aber so richtig lang bin ich mit den paar 80 Seiten nicht hingekommen.
  • Also brauchte ich noch ein Notizbuch. Ich liebe ja die Bücher von paperblanks: Tolle Papierstärke für Füller, wunderhübsches Äußeres und ein Lesebändchen zum schnellen Finden haben die auch noch. Jetzt aber mit Kalender und extra Notizbuch in der Tasche rumlaufen, war dann doch recht unpraktisch.

 

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Kurzerhand wurden also die Vorteile jedes Systems genommen und kombiniert: Mit einem Bohrer bekam ich relativ schnell den Ringmechanismus aus dem Organizer heraus. Das Leder habe ich vorsichtig oben und unten aufgetrennt, die Gegenstücke der Nieten entfernt und Gummibänder eingezogen. Mir reichen 3 Stück für Kalender, Trainings-/Ernährungstagebuch und Notizbuch. Ist jetzt also ein Notizbuch voll oder das Jahr ist rum, wird kurzerhand ein Buch aus dem Gummiring herausgezogen und das neue Heft eingesetzt, ohne, dass ich die restlichen Bücher ebenfalls tauschen oder alle Daten ins neue System übertragen muss.

Im gesamten Organizer arbeite ich farbcodiert: Arbeit(blau), Soziales(gelb), Blog (rot) und Uni (grün) kann ich so schnell voneinander unterscheiden. Einfach Washi-Tape an die Seitenränder des Notizbuches geklebt und schon findet man flott, was man sucht. In der Mitte des paperblanks habe ich momentan eine hübsch rote Partie mit 10 Doppelseiten: meine Bücher-Want-To-Read – Liste. Ich zwinge mich, es bei diesen Seiten zu belassen. Wenn ein neues Buch drauf will, muss ich erst was anderes lesen und wegradieren, um eine Zeile zu sparen. Seht ihr das? Ich übe mich in Disziplin. Die gleichen Farben nutze ich auch im Kalender. Dort werden besonders wichtige Einträge mit einem Textmarker markiert.

Und jetzt habe ich wirklich alles an einem Platz: Finanzen, Putzplan, spontane Einfälle, Stichpunkte für Reviews, schnelle Mitschriften, die Planung für die Motto-Party nächstes Wochenende, Rezepte oder auch meine Liste von Fremdwörtern, auf die ich stoße und bei denen ich später nachschlage was sie bedeuten. Jetzt muss ich endlich nicht mehr meine Kalenderseiten zumüllen. Im Week-View stehen wirklich nur Termine und To-Do – Listen für die tägliche Planung. Alles andere hat dort drin ab sofort nichts mehr zu suchen. Ich habe eine ungefähre Ordnung und werde langsam organisiert. Ich bin so stolz auf mich.

Zum Schreiben benutze ich gern Füller. Klingt vielleicht dämlich, so als Linkshänder, aber ich habe das Gefühl, dass die schweren Füller mein krakeliges Schriftbild verbessern. Unterwegs nutze ich allerdings die praktischen Frixion-Pens von Pilot, da sie schneller trocknen und man auch mal fix was ‚wegradieren‘ kann. Vor allem bei ständig ändernden Dienstplänen ist so ein Ding praktisch.

Und so bekam ich sie doch noch, meine eierlegende Wollmilchsau. Das zugegebenermaßen etwas schwere Buch ist seit knapp 2 Jahren mein täglicher Begleiter und ich möchte nichts anderes mehr.

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Wer ebenfalls der Büroartikel-Sucht fröhnt, kann sich gern einmal den Notizbuchblog ansehen. Zudem besuche ich gern die Andrea von Ordnungsrausch, die jetzt mittlerweile bei Miss Konfetti weitermacht. Dort finde ich immer wundervolle Ideen zum Thema Ordnung und Organisation.abgesegnet

Ich verdiene für die Erwähnung der Marken kein Geld. Im Gegenteil, vielleicht werden die mir ja böse, wenn die sehen, wie ich Produkte zweckentfremde. Wie sieht denn euer Planer aus? Oder braucht ihr so etwas gar nicht, weil ihr euch alles merkt? Vielleicht mögt ihr es aber auch lieber digital?

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