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„Die beste Gesellschaftsordnung“, sagte Mustafa Mannesmann, „nimmt sich den Eisberg zum Muster: acht Neuntel unter der Wasserlinie, ein Neuntel darüber“

  • Autor: Aldous Huxley
  • Titel: Schöne neue Welt
  • Originaltitel: Brave New World
  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Fischer; Auflage: 66 (1980)
  • ISBN-10: 3596200261
  • Genre: Utopie

 

Klappentext: „Alles in allem sieht es ganz so aus, als wäre uns Utopia viel näher, als irgend jemand es sich vor nur fünfzehn Jahren hätte vorstellen können. Damals verlegte ich diese Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute scheint es durchaus möglich, dass uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt; das heißt, wenn wir in der Zwischenzeit davon absehen, einander zu Staub zu zersprengen. (Aldous Huxley)“

IMG_0067Review: Als ich vor ein paar Tagen mit meiner Kamera unterwegs war, fing ich ein Foto ein, bei dem es in meinem Hirn irgendwie klingelte. Und das mächtig unangenehm. Keine Sorge, ich habe keinen Tinitus. Es lag wohl eher daran, dass dieses Motiv in einer Art pavlovschen Reflex direkt mit diesem Buch und den damit verbundenen Gefühlen stand. Denn als ich ‚Schöne Neue Welt‘ das erste mal las, war mir auch irgendwie anders zumute.

Erstmals veröffentlicht 1932, ist ‚Schöne Neue Welt‘ neben Orwells ‚1984‘ eines der bekanntesten Dystopien der Weltliteratur. Es handelt sich um eine groteske Karikatur der damaligen und – wenn man mal genau drüber nachdenkt – auch heutigen Gesellschaft. Die Bürger dieses Weltstaates leben in einer Spaßgesellschaft, in der die Drogen ausgeteilt werden wie Gummibärchen. Für all die Luxusgüter, die ihnen zur Verfügung stehen, müssen sie sich von ihren Rechten trennen. Kunst, Religion und Meinungsfreiheit sind abgeschafft oder stark eingeschränkt. Doch was solls: Sie stören sich nicht daran, denn sie kennen es nicht anders.

„Ja, jeder ist heutzutage glücklich“, echote sie. Die Worte waren ihnen zwölf Jahre lang allnächtlich hundertfünfzigmal wiederholt worden.

Huxley stellt verschiedene Charaktere vor, von denen jeder eine ganz individuelle Sicht auf die Dinge hat: Da wäre die typische Bürgerin, perfekt eingegliedert, die keinerlei Kritik am System findet. Es gibt den Intellektuellen, der sich Freiheit und Veränderung wünscht. Den Außenseiter, der so gern ins System passen würde. Und plötzlich kommt da der Wilde dazu, der diese Einheitlichkeit ohne Kunst und Glauben gar nicht begreifen kann.

„Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!“

Die Mischung aus wissenschaftlichem Vokabular und Auszügen aus einigen Werken Shakespeares lässt ein abwechslungsreiches Leseerlebnis entstehen. Teilweise konnte ich dem Text aufgrund der wissenschaftlichen Ausführungen jedoch nur schwer folgen. Einige Sätze treffen jedoch auch in der heutigen Zeit einen Nerv. Den erhofften Schockeffekt hat das Buch auch nach nochmaligem Lesen bei mir ausgelöst. Das Buch gilt nicht umsonst als Klassiker der Weltliteratur. Den fünften Kaffee hat es durch die teilweise konfuse Schreibweise und den gelegentlich langen Strecken aber trotzdem nicht verdient. Wer dieses recht schlanke Werk mit nicht mal 300 Seiten noch nicht gelesen hat,  dem rate ich, sich dafür mal ein ruhiges Wochenende zu nehmen.

 

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